Nach dem beachtlichen Sieg des VfB Germania beim Tabellenzweiten Zwickau (2:1) geht für das Team heute das Training unter Interimscoach Enrico Gerlach weiter. Die überraschend gebuchten Punkte wurden zuvor gebührend gefeiert.

Halberstadt l Deutscher Schlager schallte am Samstagabend durch den Mannschaftsbus der Halberstädter. Dazu wurde lautstark mitgesungen, sich das eine oder andere Bier genehmigt. "Ich wusste nicht, dass einige Spieler so gute Stimmen haben", witzelte Interimstrainer Enrico Gerlach. Es wurde deutlich, wie hoch das 2:1 in Westsachsen, gemessen an der VfB-Vorgeschichte dieses 14. Spieltages, einzuordnen ist. "Wir genießen den Moment", so der sportliche Leiter Stephan Grabinski, der diesmal selbst im Bus mitreiste. "Es ist ja ein Platz freigeworden", nahm er bissig Bezug zur Trainerentlassung Achim Hollerieths nur wenige Stunden zuvor. "Gehen die Spiele regelmäßig so aus, steige ich gern wieder mit ein."

Enrico Gerlach hatte es geschafft, das Team nur wenige Stunden nach der Trainerentlassung und wenige Stunden vor dem Anpfiff beim FSV entsprechend zu motivieren. "Die Ansprache ist diesmal recht einfach ausgefallen", so der 38-Jährige, "kein Schwein hat doch irgendwas auf uns gesetzt: eine Mannschaft, die plötzlich ohne den Cheftrainer zum ungeschlagenen Tabellenzweiten anreist. Die Jungs sollten zeigen, dass sie Kerle sind." Dass dieser Auswärtssieg sowohl sportlich als auch psychisch von großer Bedeutung ist, machte Gerlach klar: "Es war doch ein Befreiungsschlag für die Spieler, nachdem, was auch für uns überraschend passiert ist." Den Vorwurf, dass das Klima zwischen Ex-Trainer Hollerieth und der Mannschaft zerstört sein soll, wies er entschieden zurück. "Das ist nicht wahr." Auch Kevin Schlitte, in Zwickau Schütze des zwischenzeitlichen 2:0, erklärte dies auf Nachfrage: "Ich bin zwar berufsbedingt nicht bei jeder Trainingseinheit anwesend, aber einen Bruch zwischen Trainer und Team kann ich nicht bestätigen."

Wie geht es nun weiter in Halberstadt? Bis einschließlich 13. Dezember (FSA-Pokal-Viertelfinale beim VfL Halle) gibt es eine vereinsinterne Trai-nerlösung. Da sowohl Grabinski als auch Gerlach berufstätig sind, muss in erster Linie für die Vormittagseinheiten eine Lösung her. Thomas Waldow, Leiter des Nachwuchszentrums beim VfB Germania und Inhaber der A-Lizenz, ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Ansprechpartner.

Mit ins Boot der Verantwortlichen soll auch Kevin Schlitte geholt werden. "Er kann seine langjährigen Erfahrungen aus der Profizeit mit einfließen lassen", so Gerlach. Noch Montagabend trafen sich die Genannten, um eine Lösung zu finden.