Erfurt. Auf den ersten Blick könnte man meinen, der gutaussehende Blondschopf da unten auf dem Rasen sei gerade einem Casting für " Gute Zeiten, schlechte Zeiten " entsprungen. Doch wer Christopher Buchtmann beim ersten EM-Spiel der deutschen U-17-Auswahl erlebte, wird sich schnell revidieren. In Erfurt, beim 3 : 1-Auftakterfolg gegen die Türken, war er der überragende Mann. Er organisierte nicht nur das Spiel seines Teams, er traf auch selbst zum 2 : 1. " Das war mein bisher wichtigstes Tor ", meinte er hinterher.

Und noch etwas anderes macht den jungen Mann, der erst vor zwei Wochen 17 geworden ist, zu etwas Besonderem : Er ist der einzige Legionär im Team von Trainer Marco Pezzaiuoli. Seit neun Monaten absolviert der nur 1, 75 Meter große, aus Hameln stammende Mittelfeldakteur nämlich an der " Academy ", der Nachwuchsabteilung des englischen Rekordmeisters FC Liverpool, eine Ausbildung. Bis 2011 reicht sein Vertrag. In ihm sind für die Familie auch regelmäßige Flüge auf die Insel festgeschrieben.

" Christopher ist bereits ein echter Führungsspieler ", lobt ihn Trainer Pezzaiuoli. " Er kann eine Partie allein entscheiden, sowohl durch Pässe als auch durch seine Torgefährlichkeit. Er ist unser Engländer, durch den FC Liverpool wurde er geprägt. "

Prognosen nach einer Profi- Karriere bei den " Reds " weist Buchtmann noch bescheiden zurück. " Fragen Sie mich am Turnierende danach ", meint er. " Klar bin ich wegen meiner Fußball-Karriere an die Anfield Road gewechselt. Wichtig war für mich aber auch, dass ich mein Englisch verbessere. Das zumindest hat schon geklappt ", erklärt er. Nur einmal, als ihm in Erfurt ein englischer Journalist eine, zugegebenermaßen komplizierte Frage stellt, lächelt er ein wenig unsicher : " Next question, please. "

Bis zum Frühjahr 2008 gehörte Buchtmann zum Dortmunder Jugendkader. Als er dann jedoch seine Wechselabsichten auf die Insel kundtat, waren die Borussen " not amused ". Man werde ihn nicht noch weiter ein halbes Jahr kostenlos für einen anderen Club ausbilden, ließ man verlauten. Buchtmann räumte seinen Spind und hielt sich ein halbes Jahr bei seinem Heimatverein Schwalbe Tündern fit.

Doch das ist Vergangenheit. Jetzt ist alle Aufmerksamkeit auf die EM gerichtet. Morgen heißt im zweiten Gruppenspiel in Jena der Gegner ausgerechnet England. Die meisten englischen Auswahl-Kicker kennt er aus dem Liga-Alltag " Bereits in der Junioren-Liga dort wird härter und schneller als in Deutschland gespielt ", urteilt er.

Dennoch hat ihm der Auftakt-Erfolg Mut gemacht. Mit Blick aufs Endspiel am 18. Mai in Magdeburg sagt der Cristiano-Ronaldo-Fan : " Wir wollen ins Finale, wir wollen den Titel. "