Am 18. Mai steigt im neuen Stadion Magdeburg das Finale der Fußball-Europameisterschaft der Altersklasse U 17. Für die Volksstimme sprach aus diesem Anlass Stephan Eiermann mit Franz Beckenbauer, dem Organisationschef der Fußball-WM 2006 in Deutschland.

Volksstimme : Nach der WM 2006 ist der DFB Gastgeber der U-17-Europameisterschaft. Was ist aus Ihrer Sicht als ehemaliger OK-Chef das Besondere an internationalen Turnieren ?

Franz Beckenbauer : Die WM 2006 hat eindrucksvoll bestätigt, dass der Fußball eine der stärksten Kräfte ist, um für ein friedliches Mit- und Nebeneinander zu sorgen. Es herrschte eine so fantastische, fröhliche und gewaltfreie Atmosphäre, die wir uns in ähnlicher Form auch für dieses Junioren-Turnier wünschen. Die U-17-EM wurde auch bewusst nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geholt, wo der internationale Fußball bisher nicht so zu Hause ist. Das fast ausverkaufte Finale in Magdeburg ist ein starkes Signal für die Attraktivität des Turniers und die Richtigkeit der Entscheidung seitens des DFB hinsichtlich der Spielorte. Auch bei der Organisation dieser Veranstaltung möchte der DFB an seinen hohen Standard der WM 2006 anknüpfen. Ich denke, es ist ein großer Vertrauensbeweis, dass Deutschland von UEFA und FIFA regelmäßig als Gastgeber ausgewählt wird.

Volksstimme : Sie haben früh international gespielt. Was ist der Reiz an diesen Vergleichen schon im jungen Alter ?

Beckenbauer : Ich habe mit 20 Jahren mein erstes Länderspiel gemacht und gleich im darauffolgendem Jahr die WM in England gespielt. Für mich waren meine Jugend-Länderspiele bedeutsame Etappen in der Entwicklung als Fußballspieler. Diese internationalen Vergleiche auf höchstem Niveau sind doch enorm wichtig und zählten für mich auch immer zu den besonderen Momenten. Die Junioren haben heute schon viel früher ganz andere Möglichkeiten und professionelle Bedingungen. Sie sollten sich ihrer Rolle und Privilegien aber auch bewusst sein.

Volksstimme : Bei den vergangenen U-17-Turniere haben einige inzwischen weltbekannte Spieler wie Cristiano Ronaldo oder Fernando Torres mitgespielt. Kann man die Stars von morgen schon im Jugendbereich erkennen ?

Beckenbauer : Bei dem einen oder anderen kann man sicherlich die Veranlagungen erkennen, es ist aber oft fraglich, ob sie dieses Talent auch im Profifußball bestätigen können. Spieler wie Toni Kroos oder auch Clemens Fritz haben bei U-17-Turnieren gezeigt, dass sie es schaffen können.

Volksstimme : Was sind Ihre sportlichen Erwartungen an das deutsche Team ?

Beckenbauer : Mit dem Titelgewinn der U 19 im letzten Jahr ist die Zielsetzung des DFB ganz klar. Wenn der DFB Gastgeber eines solchen Turniers ist, dann sollte der Titelgewinn das Ziel sein. Mit dem Heimvorteil und der hoffentlich zahlreichen Unterstützung der Zuschauer ist sicherlich einiges möglich. Dies wäre eine Bestätigung und Lohn für die Nachwuchsarbeit des DFB.