Darmstadt - "Unglaublich", "Wahnsinn", "einfach geil" - die Spieler des SV Darmstadt 98 schwelgten nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga in Superlativen.

Nur der weizenbiergebadete Vater des Erfolges, Trainer Dirk Schuster, nahm sich zurück, gab auf der Pressekonferenz ein kurzes Statement ab und bat dann darum, den Erfolg ungestört genießen zu dürfen.

"Die Mannschaft ist über die gesamte Saison ans Limit gegangen. Jetzt in der Bundesliga zu stehen, erfüllt uns mit großem Stolz", sagte er. Das entscheidende Spiel gegen den FC St Pauli (1:0) hatte sein Team zuvor mit den Eigenschaften gewonnen, die sie schon das ganze Jahr über ausgezeichnet hatten: Einsatz, Kampf, Beharrlichkeit. So kehrten die Lilien völlig überraschend nach 33 Jahren in die höchste deutsche Spielklasse zurück. Sie sind der siebte Verein, der den direkten Durchmarsch von der dritten in die erste Liga geschafft hat.

Nach dem Schlusspfiff brach im Stadion eine einzige kollektive Jubelfeier aus. Die Zuschauer stürmten zu Tausenden den Rasen. Kapitän Aytac Sulu sank dort weinend zu Boden. Erfolgstrainer Schuster bekam schon nach wenigen Minuten die erste Bierdusche von einem Fan ab. "1. BUNDESLIGA VERSTEHSTE", twitterte die aus Darmstadt kommende Tennisspielerin Andrea Petkovic.

"Wir haben heute an uns geglaubt - und dann war auch der liebe Gott mit uns", sagte Flügelmann Marcel Heller, einst gescheitertes Talent, der in den vergangenen zwei Jahren unter Schuster in Darmstadt aufblühte und sowohl in der 3. als auch in der 2. Liga zu den Stützen des Teams zählte.

Als in der 71. Minute der Freistoß von Tobias Kempe aus 25 Metern im Hamburger Tor einschlug, hatte das Team den Erfolg erzwungen. Obwohl Kempe, Sohn des ehemaligen Bundesliga-Profis Thomas und Bruder des Karlsruher Spielers Dennis, der Experte für Standards ist, war ihm in dieser Saison bis dahin noch kein Tor auf diesem Weg gelungen. "Jetzt kann mir die Mannschaft auf Mallorca einen ausgeben", scherzte er.

Am Montag will die Mannschaft auf die Balearen-Insel fliegen und es dort so richtig krachenlassen - wie bereits vor einem Jahr nach dem dramatischen Last-Minute-Aufstieg in der Relegation gegen Arminia Bielefeld. Und so beschworen die Spieler dann auch den Teamgeist.

"Wir sind alle untereinander befreundet, unternehmen total viel miteinander", sagte etwa Heller. Auf die Frage, ob er denn schon gepackt habe, antworte er: "Wieso, für zwei Tage Mallorca braucht man doch nicht viel."

"Ich habe das noch gar nicht realisiert", sagte Mittelfeldspieler Florian Jungwirth, der in der Schlussphase eingewechselt wurde, um den Vorsprung über die Zeit zu bringen. "Wahrscheinlich werden wir erst merken, was passiert ist, wenn uns der Arjen Robben in der nächsten Saison sieben Knoten in die Beine gespielt hat. Aber egal: Jetzt feiern wir erstmal, bis wir verrecken."

"Vor zwei Jahren waren wir sportlich noch am Boden", sagte Präsident Rüdiger Fritsch. "Dass dann so eine Erfolgsgeschichte kommt, damit konnte keiner rechnen. Wenn man besser sein will als andere, muss man dann weitermachen, wenn die anderen aufhören. Das hat die Mannschaft die ganze Saison über gezeigt." Und auch Fritsch hatte schon die Bayern im Sinn: "Wenn der Pep (Guardiola) kommt, werden wir hier schon nochmal durchwischen", sagte er in Anspielung auf den maroden Zustand des altehrwürdigen Böllenfalltor-Stadions.

1978 und 1981 war der Traditionsverein schon einmal in die Bundesliga aufgestiegen - und hielt sich dort jeweils nur ein Jahr. Der aktuelle Erfolg ist aufgrund seiner Vorgeschichte aber die noch größere Sensation. 2008 mussten die Lilien in der Oberliga Hessen einen Insolvenzantrag stellen. Erst 2012 stiegen sie sportlich erneut in die Viertklassigkeit ab - nur der Lizenzentzug des Erzrivalen Kickers Offenbach hielt den Verein damals in der 3. Liga.

Danach begann der Durchmarsch: Schuster formte aus lauter anderswo gescheiterten Spielern ein verschworenes Team, das sich vor einem Jahr auch in der Relegation zur 2. Bundesliga durch ein Tor in der 122. Minute des Rückspiels bei Arminia Bielefeld durchsetzte.