"Es ist eine Todsünde, dass dies nun, 40 Jahre später, zum Fenster rausgeworfen wird." So beschrieb es Arie Haan, Vizeweltmeister mit Holland von 1974, noch am 13. Juni in der Presse. Mit "dies" meinte er die offensive Ausrichtung der niederländischen Fußball-Mannschaft, für die "Oranje" seit Jahrzehnten bekannt ist.

Die wurde nun umgeschrieben – vom neuen Nationaltrainer Louis van Gaal. Statt der bisher angriffslustigen Arbeitsweise des "Systems Holland" setzt "Programmierer" van Gaal eher auf stabilen Schutz und stellte für das erste Spiel der Gruppe B zur Weltmeisterschaft 2014 vom bisher üblichen 4-3-3 auf 5-3-2 um. Das stieß nicht nur bei der Mannschaft zunächst auf Fragzeichen, auch in der Heimat hagelt es dafür viel Kritik.

Einige trauten den Niederlanden aufgrund des neuen Systems nichts zu, schon gar nicht, da der erste Konkurrent Titelverteidiger Spanien war. Doch aller Kritik zum Trotz erwies sich die Programmierung von van Gaal als ziemlich effizient. Die überaus aggressiven "Viren" Diego Costa und Fernando Torres wurden erfolgreich abgewehrt. Der 5:1-Erfolg zog nicht nur begeisterten Beifall der Fans nach sich, sondern auch einiges Schweigen.

So ganz ausgereift war das neue System aber noch nicht. Vor allem mit dem Unterordner Mittelfeld tat sich Holland recht schwer und "System Australien" konnte nur mit Mühe mit 3:2 bezwungen werden. Van Gaal reagierte und schrieb eine "Subroutine" namens 4-4-2 in sein neues Programm. Dies erwies sich als durchaus nützlich, denn es zeigte gegen das "System Chile" Wirkung.

Der Schutz der Viererkette erschwerte es "Viren" wie Alexis Sánchez oder Eduardo Vargas erheblich, ihre Eigenschaften freizusetzen. Zwar war auch Chile mit einer guten "Firewall" geschützt, doch schien diese mit laufender Betriebsdauer an Kraft zu verlieren, sodass die Dateien Memphis Depay und Leroy Fer einen 2:0-Erfolg erwirken konnten.

Ob van Gaal seine "Subroutine" nun ins Hauptprogramm übernehmen wird oder bis zur Begegnung mit "Programm Brasilien" noch an seinem neuen System feilt, wird man im Achtelfinale sehen.