Keinen Platz hätten Fußallfans kurz vor Anpfiff der Viertelfinal-Begegnung zwischen Deutschland und Frankreich mehr vor den Leinwänden bekommen. Demonstrativ überfüllt waren die Public Viewing Orte ganz so, wie wir es 2006 beim selbsternannten Sommermärchen gelernt haben. Wir müssen unsere Mannschaft unterstützen. Dass das schon funktioniert, wenn wir eine Leinwand anbrüllen, kommt den nicht gerade feierwütigen deutschen Fans gelegen. Wenn wir was können, dann über Fehler meckern. Über Fehler, an denen die Spieler Schuld sind, über Fehler für die der Schiedsrichter verantwortlich ist und überhaupt: Public Meckering ist der eigentliche Volkssport.

Was 2006 noch so harmonisch und im Einklang mit der eigenen Euphorie ablief, will jetzt natürlich wieder erzwungen werden. Leinwand, Fußball und deutsche Fans – warum soll das nicht wieder funktionieren? Nun ja, vielleicht, weil die Weltmeisterschaft diesmal nicht vor der Haustür, sondern in einem Land ausgetragen wird, das eigentlich andere Sorgen als die WM hat und als guter Gastgeber nun trotzdem feiert.

Die deutsche Nationalmannschaft hat es bis ins Viertelfinale geschafft. Eine starke Leistung, gehört sie damit doch zu den acht besten Mannschaften der Welt. Dazu kommt, dass sie noch immer im Rennen sind, obwohl die Uhren anders ticken und schon so mancher Titelfavorit schon recht früh die Segel streichen musste. Beim Public Viewing zählt dieser Teilerfolg nicht, eben weil es für alle nur ein Teilerfolg ist. Viertelfinale ist nur dazu da, dass wir danach im Halbfinale sind. Mit einer Niederlage rechnet, auch gegen bislang starke Franzosen, niemand, und wenn, dann wäre das eine riesen Enttäuschung.

Zum Glück gab es gegen Frankreich nicht viel zu meckern und die deutschen Spieler haben ihre "Pflicht" erfüllt. So richtig feiern wollte im Anschluss beim Public Viewing niemand…Moment! Doch! Ein paar Leute feierten ihre Mannschaft, allerdings trugen die die Farben blau, weiß und rot und sangen trotz Ausscheiden "Allez le Bleus". Von Meckern keine Spur. Dafür feierten die wenigen Franzosen ihr Team für die erbrachte Leistung und steckten somit auch die Deutschen an. Geht doch!