Es ist und bleibt eine Weltmeisterschaft mit zahlreichen fußballerischen Kuriositäten. Sicherlich hatte niemand Costa Rica auf dem Schirm. Dass das winzige Land überhaupt in das Viertelfinale einzog, grenzt an eine Sensation. Spanien? Draußen. Italien? Draußen? England? Draußen. Costa Rica? Draußen. Aber mit dem Unterschied, gehobenen Hauptes die Heimreise antreten zu können.

Zugegeben, Costa Rica war den Holländern in allen Belangen unterlegen. Aber geht es wirklich darum, besser zu sein? Mehr Ballbesitz zu haben oder mehr Schüsse auf das Tor abgegeben zu haben? Ich behaupte: Nein. Wer gegen die Niederlande, ein Team mit Superstars wie Robben oder van Persie, so lange die Null hält, scheint irgendetwas richtig gemacht zu haben.

Das kleine zentralamerikansiche Land kann stolz auf sich sein. Ein Land, das lediglich 4,3 Millionen Einwohner hat. Bei so wenig Menschen, grenzt dieser Erfolg an ein Wunder. Wieviele Spieler kommen denn überhaupt für die Nationalmannschaft in Frage? Es müssen die zu alten und die zu jungen abgezogen werden. Es müssen die ganz normalen Menschen, die nicht auf dem Niveau eines Nationalspielers kicken, abgezogen werden. Es müssen so viele mehr abgezogen werden, dass - übertrieben gesagt - nur noch die 23 Akteure übrig bleiben, die schließlich so erfolgreich in Brasilien gewirkt haben und ihr Land in aller Munde gebracht haben.

Das Team hat keinen Superstar. Keinen, auf den alle Kameras gerichtet werden, keinen, von dem jede Sekunde des Privatlebens in einer bunten Zeitschrift zu finden ist und keinen, dem die Unterwäsche von der Leine gestohlen wird. Vielleicht macht genau dies die costa-ricanische Stärke aus: Die Unbeschwertheit. Bis auf die Niederlande hat dem WM-Außenseiter sicherlich jeder den Einzug in das Halbfinale gegönnt. Aus diesem Vorhaben ist, wenn auch nur knapp, nichts geworden. Dennoch dürfte niemand enttäuscht gewesen sein, hatte man den Favoriten doch am Rand einer Blamage und war selbst nah dran am Wunder.