Rio de Janeiro - Die Pfiffe kurz vor der Siegerehrung der deutschen WM-Helden im Maracanã von Rio de Janeiro waren nicht zu überhören - sie galten in erster Linie Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff, doch eindeutig auch FIFA-Präsident Joseph Blatter.

Dem Chef des Fußball-Weltverbandes sind diese Unmutsäußerungen nicht egal, das kennt man aus ähnlichen Anlässen in der Vergangenheit. Doch mit seiner Abreise aus Rio de Janeiro am Dienstag endet das Kapitel Brasilien für den 78-Jährigen.

Zeit zur Muße bleibt Blatter nicht. Dem Fußball stehen spannende Monate bevor, in denen sich auch die Zukunft des FIFA-Präsidenten entscheidet. Zudem könnte eine Regeländerung angeleiert werden, als direkte Konsequenz aus dem WM-Powerfußball in Brasilien. Ein Überblick über die wegweisenden Termine:

29. August: Diesen Termin hat sich bestimmt auch Blatter rot im Kalender notiert. UEFA-Präsident Michel Platini will am Rande der Champions-League-Auslosung verkünden, ob er am 29. Mai 2015 beim FIFA-Kongress in Zürich gegen Blatter um den Chefposten des Weltverbandes kandidiert. Momentan sieht es nicht danach aus, aber der Franzose ist immer für eine Überraschung gut und nach der harschen Kritik an Blatter muss die UEFA einen Gegenkandidaten stellen.


August/September: Der mit Spannung erwartete Bericht von Topermittler Michael Garcia zu den WM-Vergaben 2018 an Russland und 2022 an Katar soll wahrscheinlich nach mehrfachen Verzögerungen vorliegen. Was die Untersuchung erbringt ist momentan nur Spekulation. Möglich erscheint alles: Von einer kompletten Einstellung der Ermittlung bis zum Entzug der WM-Rechte zumindest für Katar. Letzteres würde allerdings ein Fußball-Erdbeben auslösen und den Weltverband in eine schwere Krise stürzen.


September: Das FIFA-Exekutivkomitee treibt seine Planungen für Katar voran - ungeachtet des noch ausstehenden Garcia-Berichts. In Konsultationen mit Vereinen, Ligen und nationalen Verbänden wird nach dem bestmöglichen Termin für die WM 2022 gesucht. Ein Turnier im Sommer scheint derzeit ausgeschlossen. Wahrscheinlich wird es auf November/Dezember 2022 hinauslaufen - auch wenn sich in den Topligen noch Widerstand regt.


19. September: In Genf bestimmt das UEFA-Exekutivkomitee die Spielorte der EM 2020. In 13 Ländern wird das Turnier gespielt. Bekommt London den Zuschlag für das Finale ist der Weg zu einer deutschen Gastgeberrolle für die EM 2024 frei. Als sicher gilt, dass in München in sechs Jahren mindestens drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale stattfinden sollen.


September/Oktober: Bei mehreren Konferenzen mit allen WM-Trainern stellt Gerard Houllier als Chef der Technical Study Group die taktischen Erkenntnisse der WM in Brasilien vor. Der Franzose deutete schon an, dass es eine Regeländerung geben könnte. Angesichts der hohen Belastung wird über die Einführung eines vierten Auswechselspielers nachgedacht, zunächst aber nur bei Spielen in der Verlängerung.