Rio de Janeiro - Staatschefin Dilma Rousseff schwärmte von der "Copa das Copas". Vier Wochen war Brasilien das Zentrum zumindest der Fußball-Welt, doch die WM-Party ist nun vorbei.

Die WM-Touristen ziehen wieder ab, und viele Bürger stellen sich nun die Frage: Was bleibt von der Copa nach diesem rauschenden Fest? Und was wird aus dem von der Regierung versprochenen WM-Erbe für die Massen?

Mit Sicherheit bleiben die zwölf WM-Stadien, die entweder komplett neu gebaut und völlig saniert wurden wie das Maracanã-Finalstadion in Rio. Die Arenen sind auf dem neuesten Stand. "Alle haben sich geirrt. Ich sage nicht, dass es perfekt ist. Aber sie haben gesagt, dass die Stadien nicht fertig würden. Sie sind fertig und Brasilien hat heute Kunstwerke als Stadien", freute sich FIFA-Chef Joseph Blatter.

Ganz sicher hat der Schweizer Recht, wenn man etwa das imposante Mané-Garrincha-Stadion in Brasília kennt. Es gehört zu den schönsten Fußball-Arenen der Welt. Umrundet von einem "Stützenwald" von 288 bis zu 53 Meter hohen Betonpfeilern hebt sich das Stadion ab und passt sich doch zugleich architektonisch in die futurische Stadtlandschaft der Millionenmetropole an. Aber es war eben laut Medienberichten mit über 1,4 Milliarden Reais (466 Mio Euro) auch das teuerste der WM.

Und die Frage stellt sich, ob Weiße Elefanten auch Kunstwerke sein können. Dieses Schicksal droht nämlich einigen Stadien wie in Manaus, Cuiabá, Natal und möglicherweise auch Brasília, die alle keine Erstliga-Clubs haben, deren Fans die Stadion füllen. Angesichts solcher Bauten und vor allem der Ausgaben dafür, forderten viele Brasilianer schon im vergangenen Jahr "Hospitäler, Schulen und öffentlichen Nahverkehr im FIFA-Standard". Der Weltverband nahm diese Forderung noch als Kompliment, denn er wertet den Begriff "FIFA-Standard" als Qualitätsnorm.

Die Forderung richtete sich aber eher an die brasilianische Regierung. Die Demonstranten beklagten den oft desolaten Zustand in öffentlichen Krankenhäusern, wo es vor allem außerhalb großer Metropolen am Notwendigsten fehlt. Auch die Lehrer können nur von Schulen und Arbeitsbedingungen im "FIFA-Standard" träumen. In vielen Städten streikte das Lehrpersonal oft monatelang, um bessere Arbeitsbedingungen zu erzwingen.

Bei den Infrastrukturmaßnahmen wurden nur ein Teil der für die Copa geplanten Projekte umgesetzt, was selbst unverdächtige WM-Patrioten wie Pelé und Ronaldo kurz vor WM-Anpfiff auf die Seite der Kritiker wechseln ließ. "Alles was versprochen und nicht erbracht wurde. Es gibt Statistiken, ... dass nur 30 Prozent (der Infrastrukturarbeiten) zur WM abgeliefert werden, das ist meine Sorge und meine Scham. Den größten Schaden hat die Bevölkerung", so Ronaldo keine zwei Wochen vor Beginn des Turniers.

Fakt ist, dass nicht nur die Stadien zum viel beschworenen "Erbe" der WM gehören. Es wurden Hunderte Millionen Reais in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gesteckt. In Rio wurden Schnellbustrassen gebaut, die Flughäfen wurden zumindest ansatzweise erweitert, auch wenn einige Arbeiten nicht pünktlich zur WM fertig wurden. Doch bis zu den Olympischen Spielen in zwei Jahren sollen zumindest in Rio die Arbeiten abgeschlossen sein.

"Es ist absurd, dass die Umbauarbeiten an den Airports nicht fristgerecht fertig wurden, aber wenigstens sind sie angelaufen. Hätten die Behörden den politischen Willen gehabt, sie (die Arbeiten) ohne die Copa zu beginnen", fragte die brasilianische Zeitschrift "IstoÉ". Als ein Erbe wird auch die neue Verzahnung der unterschiedlichen Polizeiebenen bei dem Großevent angesehen. In den landesweiten Sicherheitszentralen liefen während der WM alle Fäden der Gesamtkoordination zusammen.

Das Fazit von Staatschefin Rousseff ist ohnehin klar. Sie sieht Brasilien mit einem "höheren Selbstwertgefühl" aus der WM gehen und blickt schon mit Vorfreude auf das olympische Großprojekt in zwei Jahren in Rio: "Wir Brasilianerinnen und Brasilianer aus allen Ecken dies immensen und geliebten Landes laden Alle ein, zurückzukehren zu den Olympischen und Paralympischen Spielen 2016 (in Rio), die wir mit der selben Kompetenz und Gastfreundlichkeit ausrichten wie die WM."