Buenos Aires - Entsetztes Schweigen vor den Großbildleinwänden in Buenos Aires: Gerade hatte Mario Götze in der 113. Minute des WM-Finals das 1:0 für Deutschland geschossen.

Und den Zehntausenden argentinischen Fans schwant, das könnte es gewesen sein mit dem Titel. Doch dann keimt Hoffnung auf: Superstar Lionel Messi bekommt in allerletzter Minute einen Freistoß in guter Position - doch er drischt den Ball über das Tor von Manuel Neuer. Dann ist das Spiel vorbei. Aus und vorbei, alle Hoffnungen auf den dritten WM-Titel zu Grabe getragen.

Doch die Fans verabschieden ihre Nationalelf mit Applaus und ziehen aus allen Ecken zum Platz um den Obelisken mitten im Stadtzentrum, um dort trotz der Niederlage eine Party zu feiern. Zwar hat die "Albiceleste" den Weltmeistertitel verpasst, aber Erzrivale Brasilien erging es mit Platz vier deutlich schlechter - und das bei einer WM im eigenen Land. Diese Gedanken beflügeln die Feier unter dem von Feuerwerk beleuchteten Stadthimmel.

Enttäuschte Stimmen hört man trotzdem in den Straßen der Hauptstadt. "Wir feiern einfach, dass wir bis ins Finale gekommen sind", sagt der 38-jährige Pitu, der mit Freunden im hellblau-weiß gestreiften Trikot am Sonntagabend am Obelisk feiert. "Wir weinen nicht, haben aber mehr erwartet. Die Gelegenheit wird sich nicht so leicht wiederholen. Mit einem 31-jährigen Messi werden wir in Russland 2018 auch nicht weiterkommen."

Ganz andere Stimmung bei den deutschen Fans, die in Buenos Aires leben. Rund hundert haben sich in einer Pizzeria versammelt, die extra für das Finale ihr Angebot auf Bratwurst und Bier umgestellt hat. "Alemania, Alemania", skandieren die deutschen Fans. "Wir bleiben zur Feier vorsichtshalber hier", sagen Christoph und Ulli, zwei 20-Jährige aus Dortmund und Münster, die als Volontäre in Armenvierteln außerhalb von Buenos Aires arbeiten. Ein Streifenwagen mit drei Polizisten parkt zum Schutz der kleinen Gruppe in der Nähe. Doch die Beamten haben nichts zu tun.

Um den Obelisken herum jedoch ein ganz anderes Bild: Hier kommt es zu schweren Ausschreitungen. Nach viel Bier und Wein gehen Jugendliche auf Fahrzeuge der Fernsehteams los, plündern Geschäfte, randalieren in einer Bar und einem Hotel, bewerfen die anrückenden Polizeikräfte mit Steinen. Die setzt Tränengas und Plastikgeschosse ein. Drei Stunden dauert die Straßenschlacht. Rund 70 Menschen werden verletzt, unter ihnen 15 Polizisten. Weitere 140 Menschen werden festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Am Montagmorgen erklärt der Sicherheitssekretär Sergio Berni, das sei das Werk von "Barrabravas" (Hooligans) der Fußballvereine Independiente und Chacarita Juniors gewesen.

Zur gleichen Zeit wird die Nationalelf am Flughafen von zahlreichen Fans empfangen. Die Maschine mit den Spielern an Bord überfliegt zweimal die Menschenmenge vor der Landung. Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner wollte das Team am Flughafen begrüßen, danach sollte es zum Obelisken gehen - wo noch die Scherben der Randalenacht weggefegt wurden.