St. Martin (SID) l Die Abschottung war schon weltmeisterlich, doch die Sorgen überlagerten den Start in die "Mission WM-Titel". Das Trainingslager in Südtirol begann mit einem Schock: In Philipp Lahm und Manuel Neuer fehlten nämlich zwei der wichtigsten Spieler, als die Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch um 13.21 Uhr komplett abgeschirmt von Fans und Journalisten ihr Quartier bezog.

Kapitän Lahm hat statt des zunächst diagnostizierten Blutergusses nach eigener Auskunft einen Kapselriss im Sprunggelenk erlitten und soll erst am Freitag in Passeiertal nachreisen. Der Einstieg von Stammtorhüter Neuer ist nach seiner ebenfalls im Pokalfinale am Samstag erlittenen Kapselverletzung in der Schulter sogar noch völlig offen.

Sofort wurden bei vielen Beteiligten Gedanken wach an die Verletzung von "Capitano" Michael Ballack, die im Trainingslager in Sizilien 2010 die WM-Vorbereitung von Bundestrainer Joachim Löw über den Haufen geschmissen hat. Von einem WM-Aus für Lahm oder Neuer ist aktuell aber noch keine Rede. "Das bedeutet zwar ein paar Tage Pause, aber bis zur WM bin ich wieder topfit", sagte Lahm.

Zu sehen gab es am Mittwoch ohnehin nahezu nichts. Die Zufahrtsstraße zum Hotel Andreus war im Umkreis von etwa einem Kilometer abgesperrt. Die von Sicherheitskräften bewachte 5-Sterne-Residenz konnten die etwa 100 wartenden Fans, sieben Kamerateams und rund 30 Journalisten durch Zäune und Bäume gar nicht erblicken. Als Erster fuhr Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff um 11.01 Uhr im Cabrio vor. Der mit dem Flieger angereiste Großteil der Mannschaft kam wegen eines verzögerten Abflugs in Frankfurt/Main mit rund 20 Minuten Verspätung an.

Lahm hatte Stunden zuvor die Devise für die elf Tage in Südtirol ausgegeben. "Wir müssen vor allem an unserer Defensive arbeiten. Zuletzt haben wir viel zu viele Gegentore kassiert, zu viele Großchancen zugelassen", sagte der 30-Jährige. "Ich will nicht im Halbfinale ausscheiden oder nach Brasilien fahren, um die Sonne zu genießen. Ich habe ein klares Ziel. Und das ist natürlich der größtmögliche Erfolg, also der WM-Pokal."

Bereits zum dritten Mal bereitet sich die Nationalmannschaft in Südtirol auf eine WM vor. Nach der Premiere 1990 folgte in Italien der Titel, vor vier Jahren in Südafrika Platz drei. Nach den Erfahrungen von damals warb die Region eifrig darum, erneut die hohen Gäste empfangen zu können.