St. Leonhard (dpa) l Joachim Löw besänftigt die Fußball-Nation jenseits der Alpen. "Ich habe Berichte gelesen, dass wir in einem Lazarett sind. Dem ist nicht so", erklärte der Chef der deutschen Titelmission bei seiner ersten großen Rede in Südtirol. Und der Bundestrainer versprach den Fans in Deutschland am Montag zugleich, dass die noch angeschlagenen Führungsspieler Philipp Lahm, Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger und auch der nach einem Kreuzband-riss zurückgekehrte Sami Khedira bis zum WM-Start am 16. Juni in Salvador gegen Portugal fit sein würden. "Wir werden mit einer guten Mannschaft nach Brasilien reisen", kündigte Löw kämpferisch an.

Einen prüfenden Blick der Öffentlichkeit auf die angeschlagenen und gesunden Akteure ließ er vor seinem Auftritt im DFB-Medienzelt in St. Leonhard allerdings nicht zu - gearbeitet wird weiterhin meist im Verborgenen. "Der Großteil der Spieler ist absolut belastbar. Deshalb bin ich mit dem Stand absolut zufrieden", berichtete Löw.

Demonstrativ stellte er Lahm, Neuer und Schweinsteiger sowie Khedira frühzeitig die Tickets nach Brasilien aus. Nach Angaben der DFB-Mediziner seien die Blessuren von Lahm (Fuß), Neuer (Schulter) und Schweinsteiger (Knie) "kein dauerhaftes, sondern ein kurzfristiges Problem", begründete Löw. Lahm soll am Dienstag wie Dortmunds Marcel Schmelzer (Knie) wieder das Lauftraining aufnehmen.

Auch Sorgenkind Schweinsteiger wollte eine getrübte Vorfreude auf das am 12. Juni beginnende große Fußballfest in Brasilien nicht bestätigen. "Es liegt in der Natur des Deutschen, dass er das Kritische und das Negative sieht statt das Positive", sagte der Münchner. Die Stimmung und die Wortwahl des 101-maligen Nationalspielers in diesen Tagen belegen auch eine Skepsis, ob der 29-Jährige persönlich und das ganze Team tatsächlich in den verbleibenden drei Wochen die düsteren Prognosen vertreiben können. Probleme mit der Patellasehne seien nicht ohne, gab er zu. Und sportlich sollte man nur in Etappen denken, mahnte Schweinsteiger: "Die Gruppenphase wird schwer genug für uns."

Derweil bekam Newcomer Christoph Kramer ein Sonderlob von Löw. Dem Gladbacher Mittelfeldspieler gab der Bundestrainer "gute Chancen" für die Aufnahme in den endgültigen WM-Kader. Denn für die Position in der Defensivzentrale legte Löw bereits fest: Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels wird nicht ins Mittelfeld vorgezogen.