Berlin (dpa) l Nach den neuen Korruptionsvorwürfen gegen den WM-Gastgeber Katar werden die Forderungen nach einer Neuvergabe des Fußball-Weltturniers immer lauter. Vor allem die Nationen, die mit ihren Bewerbungen um die Weltmeisterschaft zuletzt unterlegen waren, üben heftige Kritik und setzen den Weltverband unter Druck.

Wie zuvor schon der Weltverbands-Vize Jim Boyce schloss Lord Peter Goldsmith, Mitglied der unabhängigen Fifa-Reformkommission, eine neue Abstimmung über das Weltturnier in acht Jahren nicht aus. "Wenn es bewiesen ist, dass die Entscheidung, Katar die WM zu geben, durch Bestechung und unangemessene Einflussnahme herbeigeführt wurde, dann sollte diese Entscheidung nicht mehr stehen", sagte der frühere britische Generalstaatsanwalt der BBC.

Vermeintliche Bestechung von fünf Millionen Dollar

Auch Australien pocht nach der Bewerbungsniederlage gegen das Wüsten-Emirat auf eine neue Chance. "Es ist eine ernsthafte Entwicklung, es sind ernsthafte Vorwürfe und wir wollen sehen, was die Antwort sein wird", sagte der nationale Fußball-Chef David Gallop bezüglich der Fifa-Ermittlungen wegen des Verdachts der Bestechung beim Votum für Katar. Die Zeitung "The Australian" schrieb zudem am Montag, dass der Verband eine erneute Kandidatur in Betracht ziehe, sollte dem Wüsten-Emirat die WM 2022 entzogen werden.

Bis dahin ist es aber trotz der Enthüllungen der "Sunday Times", die von vermeintlichen Zahlungen des ehemaligen Spitzenfunktionärs Mohamed bin Hammam in Höhe von fünf Millionen Dollar an Offizielle berichteten, noch ein weiter Weg. Selbst wenn der Bericht von Fifa-Chefermittler Michael Garcia eine Neu-Ausschreibung nahelegt, ist mit einem Gang durch alle Instanzen zu rechnen.