Wie jeder Freund des runden Leders freue ich mich seit einer gefühlten Ewigkeit darauf, die Fußball-Weltmeisterschaft zu genießen. Doch dies ist nicht jedem vergönnt. Während ich heiß darauf bin, die Spiele zur besten Sendezeit im Fernsehen live zu verfolgen oder zusammen mit Freunden beim Public Viewing zu jubeln, gibt es Leute, die nicht in den Genuss dieser Privilegien kommen werden.

Um nach einem feucht-fröhlichen Sieg wieder heil nach Hause zu kommen, lassen wir natürlich das Auto stehen und bescheren den Taxi-Unternehmen eine glückliche Zeit - oder eben auch nicht. Denn die Fahrer bezahlen einen teuren Preis für ihre Berufswahl. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein begeisterter Fußball-Fan, können das Spiel ihrer Lieblingsmannschaft jedoch nicht sehen.

Zu allem Unglück holen Sie dann auch noch die strahlenden Besucher des Public Viewings ab und dürfen sich anhören, was für ein Hammer die Partie doch war. Sie haben am Ende Ihrer Schicht als Taxifahrer keine Minute gesehen und wissen doch über jede Einzelheit bescheid. Gibt es etwas Schlimmeres, als frenetisch-überschäumende Spielberichte erzählt zu bekommen, ohne dazu Bilder vor Augen zu haben?

Also lassen Sie uns vor den 90 Minuten Hochspannung doch mal einen kurzen Augenblick an diejenigen denken, die nicht in den gleichen Genuss wie wir kommen. Möglicherweise gefallen uns die Partien ja noch besser, wenn wir wissen, dass es gar nicht selbstverständlich ist, sie problemlos zu verfolgen. Und vielleicht ärgern wir den Taxifahrer lieber nicht damit, dass Mario Götze, Neymar oder Franck Ribéry ein Traumtor erzielt hat und man das auf gar keinen Fall verpasst haben darf.