Amsterdam (dpa) l Eine Woche vor WM-Beginn steht der niederländische Nationaltrainer Louis van Gaal in der Heimat wegen seines Systemwechsels am Pranger. Nachdem der Vize-Weltmeister am Mittwochabend auch beim 2:0 gegen Wales nicht überzeugen konnte, nahm die Kritik an van Gaals Abkehr vom traditionellen 4-3-3-Format vor dem Abflug des Oranje-Teams nach Rio de Janeiro neue Fahrt auf. In Arie Haan und Ronald Koeman meldeten sich prominente Kollegen van Gaals mit kritischen Stimmen zu Wort.

"Wir finden vorne die freien Spieler noch nicht", kritisierte Bayern-Star Arjen Robben nach der glanzlosen Generalprobe in der Amsterdam Arena. "Wir treffen bei Ballbesitz noch zu viele falsche Entscheidungen", sagte er dem niederländischen Fernsehsender SBS6. Der 30-Jährige hatte die Elftal gegen Wales vor der Pause in Führung gebracht, Jeremain Lens nach dem Seitenwechsel für den Endstand gesorgt.

Robben, Kapitän van Persie und Wesley Sneijder sind in van Gaals Stammformation die einzigen Offensivkräfte in jenem Land, das seit Jahrzehnten für bedingungslosen Offensiv-Fußball steht. Es sei "eine Todsünde, dass dies nun, 40 Jahre später, zum Fenster rausgeworfen wird", sagte der ehemalige niederländische Nationalspieler und frühere Bundesliga-Trainer Arie Haan.

Auch Feyenoord-Coach Ronald Koeman sieht viel Arbeit für das Oranje-Team. "Nichts gegen Wales, aber Spanien bestraft uns für so eine Leistung", sagte der 51-Jährige mit Blick auf das erste Gruppenspiel gegen den Weltmeister.