Magdeburg | Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Bernd Heynemann aus Magdeburg hält nichts von der Einführung des Freistoßsprays bei der Fußball-WM in Brasilien. "Das ist absoluter Schwachsinn. Wenn der Schiedsrichter genügend Autorität im Umgang mit den Spielern hat, braucht er auch kein Schaumspray für die Freistoßmauer", sagt er im Interview mit der Magdeburger Volksstimme.

Zur am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaft lässt die Fifa ein Spray einsetzen, mit dessen Hilfe die Schiedsrichter bei Freistößen den Freistoßpunkt und die Linie der Abwehrmauer kennzeichnen sollen. Der auf den Rasen aufgesprühte weiße Schaum löst sich nach etwa einer Minute auf. So soll sichergestellt werden, dass die Spieler tatsächlich den im Regelwerk vorgeschriebenen Abstand von 9,15 Meter einhalten.

"Wenn die Mauer steht und Spieler nach vorn gehen, sehe ich das doch als Schiedsrichter und muss entsprechend handeln. Egal, ob da eine Linie ist oder nicht", findet dagegen Heynemann. Eine Schaumlinie werde die Spieler nicht von Regelverstößen abhalten, sondern nur die Autorität des Referees.

Der Magdeburger hatte 1998 als deutscher Schiedsrichter-Vertreter an der Fußball-WM in Frankreich teilgenommen. Er beklagt, dass es heute eine zu große Distanz zwischen Spielern und Schiedsrichtern gebe. "Der Spieler darf den Referee kaum noch ansprechen. Bloß keine Kommunikation. Alles auf Distanz". Wenn in Zukunft die Schiedsrichter "wie John Wayne mit einer Dose am Gürtel" herumlaufen, werde das nicht ihren Mangel an Autorität ersetzen. Im Gegenteil.

"Ich sehe sie schon vor der Freistoßmauer stehen und das Ding schütteln, weil nichts mehr rauskommt. Das sieht dann so aus, als würden sie sich einen Drink mixen", spottet Heynemann.

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