Rio de Janeiro (dpa) l Tattoos, Irokesenschnitt, gefärbte Haare, neonfarbene Schuhe. Die meisten Modetrends haben die oft doch eitlen Fußballer durch - dachte man bis zur WM in Brasilien. Denn die ist zuweilen eine haarige Sache: Spieler wie US-Keeper Tim Howard, Frankreichs Stürmer Karim Benzema, Italiens Senior Andrea Pirlo und vor allem Portugals Raúl Meireles laufen mit einem Bart über den Platz, als sei die Rasierklinge noch nicht erfunden.

A-bart-ig! So urteilen viele über den Schnauzer von Hugo Almeida. Der frühere Bremer wurde mit seinen Portugiesen vom deutschen Team mit 4:0 rasiert und könnte bei seinem Aussehen gut in der deutschen Comedy-Serie "Tatortreiniger" mitspielen. Brasiliens Bundesliga-Profi Luiz Gustavo hat eine ähnliche Oberlippen-Tracht. Wie ein Dandy aus einem alten Western-Schinken.

Haariges Prachtexemplar von del Bosque

Eher traditionell halten es die Trainer: Picobello rasiert wie Italiens Cesare Prandelli oder Joachim Löw, der ja auch für entsprechende Pflegeprodukte wirbt und sich deshalb kaum Wildwuchs im Gesicht leisten kann. Oder mit Schnauzer: Den trägt Brasiliens Luiz Felipe Scolari (65) mit Würde. Ein wahres Prachtexemplar und Markenzeichen ist jener von Spaniens WM-Macher Vicente del Bosque, der dem 63-Jährigen Ähnlichkeiten mit einem Walross verleiht.

Auch Spaniens Xabi Alonso ist seinem Stil treu geblieben - mit Backenbart. Daniele Rossi lässt es ebenfalls unverdrossen sprießen. Wie sein italienischer Kollege Pirlo, der zudem mit Zottelhaaren auffällt. Im Vorjahr war der 35-Jährige im Urlaub in China und erklärte danach: "Ich habe mich nicht mehr rasiert. Dann haben meine Frau und meine Freunde mir gesagt, dass es gut aussieht, und ich habe es so gelassen."

Fußballmotto "Wer rasiert, verliert"

Bei Exot Meireles sticht die Gesichtsbehaarung besonders ins Auge, weil er seinen Schädel bis auf einen steilen Kamm rasiert hat. Bart zu Glatze heißt gar das Motto bei Benzema. Ebenso wie bei Algeriens Keeper Rais M`Bolhi, dessen Bart fast unters Kinn verrutscht ist.

Wer rasiert, verliert - heißt es oft bei Fußballern, die aus Aberglauben erst wieder die Klinge ansetzen, wenn eine Siegesserie gerissen ist. Aber diese Geschichten haben einen langen Bart. Seinen extra geopfert hat der Schweizer Nationalspieler Admir Mehmedi vor dem ersten Spiel gegen Ecuador. "Ich dachte, dass es, wenn ich mich rasiere, bestimmt mit dem Tor klappt." Prompt leitete der Joker mit seinem Treffer nur 122 Sekunden nach seiner Einwechslung die Wende ein.

   

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