Fortaleza (dpa) | Für das ohnehin brisante Wiedersehen mit Jürgen Klinsmann hätte sich Joachim Löw ein bisschen weniger Druck gewünscht. Aber auch nach dem 2:2 (0:0) in einem am Ende verrückten zweiten Gruppenspiel gegen starke Ghanaer kamen im deutschen Team keine Zweifel an einem Weiterkommen auf.

"Die Ausgangslage hat sich für uns nicht entscheidend geändert", meinte Bundestrainer Joachim Löw, der das Positive hervorhob: "Wir haben eine gute Moral gezeigt, sind bei diesen Temperaturen nach dem Rückstand nochmal zurückgekommen." Ein Unentschieden reicht am Donnerstag in Recife definitiv fürs Achtelfinale, unabhängig davon wie das US-Team gegen Portugal spielt.

Deutschland gegen Ghana am Ende ohne Spielkontrolle

Kapitän Philipp Lahm geht davon aus, dass Klinsmann die US-Boys richtig heiß machen wird. "Aber wir sind auch richtig heiß darauf, ins Achtelfinale einzuziehen", erklärte der Kapitän. "Wenn wir unsere Leistung abrufen, sehe ich keine Gefahr, dass wir nach Hause fahren." Auch sein Mittelfeld-Kollege Toni Kroos beruhigte die deutschen Fans: "Wir sind stark, keine Sorge!"

Vor 59.612 Zuschauern in der Hitze von Fortaleza wurden am Samstag aber neben den Qualitäten auch etliche Mängel aufgezeigt. Am Ende gab es keine Spielkontrolle mehr, von "Harakiri" sprach Kroos. "In der zweiten Halbzeit war es ein irrsinniges Tempo, das beide Mannschaften gegangen sind, ein offener Schlagabtausch", kommentierte Löw.

Nach dem Führungstor von Mario Götze (51. Minute) geriet das DFB-Team nach individuellen Fehlern durch einen Doppelschlag von André Ayew (54.) und Asamoah Gyan (63.) sogar in Rückstand. Doch Miroslav Klose stach als Joker und zog mit seinem Abstaubertor zum 2:2 mit dem brasilianischen WM-Rekordschützen Ronaldo gleich (71.). "20 Spiele, 15 Kisten - das ist schon nicht schlecht", sagte der 36 Jahre alte Torjäger. Klose möchte nachlegen: "Wer mich kennt, weiß, dass mich das reizt, dass mich das juckt, dass ich da auch Erster sein will."

Zweite Halbzeit war "Dramatik pur"

Die gemeinsam eingewechselten Spezialkräfte Klose und Bastian Schweinsteiger brachten noch einmal "einige frische Impulse" in das Spiel, wie Löw hervorhob. "Für die Zuschauer war es in der zweiten Halbzeit ein unglaublich faszinierendes, schnelles und intensives Spiel", resümierte der Bundestrainer: "Das war Dramatik und Spannung pur, weil beide Mannschaften bedingungslos auf Sieg gespielt haben."

Thomas Müller (genähte Platzwunde am Auge) und Jérome Boateng (Muskelverhärtung) trugen Blessuren davon. Klose gab noch vor der Rückkehr am späten Abend ins Campo Bahia nach Santo André die weitere Marschroute vor: "Wir wollen Gruppenerster werden. Sicherlich ist gegen die Amerikaner jetzt ein bisschen mehr Druck da. Aber die Mannschaft kennt Druck, sie ist Druck gewohnt."