Brasilia | Die öffentlich-rechtlichen Sender wehren sich gegen harsche Kritik an ihren Kommentatoren und Moderatoren bei der Fußball-WM in Brasilien. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky stellte sich zum Interview.

Herr Balkausky, wie viel bekommen Sie in Brasilien von der Kritik an der TV-Berichterstattung von ARD und ZDF mit?
Die Kritik, negativ wie positiv, bekommen die Kollegen und ich natürlich mit. Wobei es ja insbesondere in den ersten Tagen auch sehr viel Positives gab.

Wie gehen Sie und Ihre Kollegen mit den teils hämischen Kommentaren um?
Bei so vielen Zuschauerinnen und Zuschauern kann man es nicht allen rechtmachen, und vieles ist dabei Geschmackssache. Wenn Kritik nachvollziehbar und in einer angemessenen Form geäußert wird, nehmen wir sie gerne an. In einer Live-Reportage ist nicht jedes Wort wohlformuliert, damit muss man leben. Das wissen auch die Print-Kollegen, die sich auskennen. Genauso verhält es sich auch bei einer Live-Moderation über mehrere Stunden.

Warum ist die TV-Kritik in Deutschland so ausgeprägt?
Diese Frage müssen Sie den Kollegen stellen, ich kann die Aufregung zum Teil nicht nachvollziehen. Wir berichten nur über Fußball, genau wie die Kollegen des Printbereichs. Und ob zu viel oder zu wenig Euphorie oder Pessimismus gesendet wird, ist auch sehr viel Geschmacksfrage. Wobei sich mir immer mehr die Frage stellt, ob sich die Wertigkeiten nicht sehr verschoben haben, wenn so viele Printjournalisten über Leistungen von Fernsehjournalisten schr-eiben. Wir sind hier bei einer Fußball- und nicht bei einer Fernseh-WM!

Es gab Diskussionen nach Gerd Gottlobs Kommentierung des ersten Deutschland-Spiels gegen Portugal. Darf man als Reporter für die deutsche Mannschaft auch "Wir" sagen?
Das kann man - wenn man eine grundsätzliche Distanz zur Mannschaft hat und sich nicht scheut, die Mannschaft auch zu kritisieren, wenn es erforderlich ist. Und das kann ich für alle unsere Moderatoren und Reporter guten Gewissens sagen.

Zuletzt wurde ARD und ZDF vorgeworfen, die "PR-Kompanie des DFB" zu sein.
Über diesen Vorwurf kann ich nur noch lachen. Wir betreiben Journalismus wie alle anderen auch. Natürlich wünschen wir uns, dass die deutsche Mannschaft möglichst weit kommt, haben aber beispielsweise im Disput zwischen Zwanziger und Niersbach beide Seiten zu Wort kommen lassen, das ist journalistische Normalität. Und wir haben auch die Leistung der deutschen Spieler gegen Ghana klar und kritisch eingeordnet, ganz ohne "wir" zu sagen. (dpa)

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