Joachim Löw hat mit den deutschen Fußballern in einem packenden WM-Finale die Titelmission vollendet. Ausgelassen und überglücklich bejubelten die unbeugsamen WM-Kämpfer in Schwarz-Rot-Gold am Sonntag im Fußball-Tempel Maracanã nach dem Siegtreffer von Joker Mario Götze (111. Minute) zum 1:0 (0:0) nach Verlängerung gegen Argentinien den vierten Gewinn des Weltpokals.

Rio de Janeiro (dpa/SID) l Nach 1954, 1974 und 1990 war es ein historischer Triumph, denn es war der erste Erfolg einer europäischen Nation auf dem amerikanischen Kontinent. Vor 74 738 Zuschauern stoppte der erst in der 88. Minute für Miroslav Klose eingewechselte Götze neun Minuten vor Ende der Extra-Spielzeit eine Flanke von Andre Schürrle mit der Brust und jagte den Ball ins lange Eck.

Um 19.04 Uhr Ortszeit nahm Philipp Lahm als vierter deutscher Kapitän nach Fritz Walter, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus die WM-Trophäe entgegen. Zuvor hatten sich die deutschen Spieler nach einem heroischen Kampf betrunken vor Glück und auch vor Erschöpfung auf dem Rasen gewälzt, kaum fähig, sich noch auf den Beinen zu halten. Einige wie André Schürrle, Vorlagengeben zum Tor, holten ihre Partnerinnen auf das Feld und weinten vor Glück.

"Was wir geleistet haben und wie wir geackert haben, das ist unglaublich. Das zeichnet diese Mannschaft aus. Das ist ein unglaubliches Gefühl", sagte Kapitän Philipp Lahm, der ebenso wie das ganze Team bereits mit dem vierten Stern auf dem T-Shirt feierte. "Irgendwann werden wir aufhören zu feiern, aber wir werden immer wieder mit einem Grinsen aufstehen", erklärte Manuel Neuer.

Khedira fällt aus

Auf der Ehrentribüne in Rio de Janeiro jubelten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck mit den rund 13 000 deutschen Fans im Stadion mit. Für die Generation um die Kapitäne Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger war es die Karriere-Krönung. Für den Triumph kassiert jeder der 23 deutschen Akteure die Rekordprämie von 300 000 Euro. Nach einer großen Titelparty in Rio werden sich Kapitän Lahm und Co. am Dienstagvormittag in Berlin am Brandenburger Tor mit dem "goldenen Pott" präsentieren.

Nach 90 dramatischen Minuten wogte die Partie in der Verlängerung weiter hin und her. Die erste Chance zur erlösenden Führung verpasste Schürrle, der Sergio Romero anschoss (91.). Sechs Minuten später stand Rodrigo Palacio nach einem Stellungsfehler von Mats Hummels frei vor Manuel Neuer, lupfte den Ball aber am Kasten vorbei.

Der kurzfristige Ausfall von Sami Khedira hatte die deutsche Erfolgself aus dem Viertel- und Halbfinale unmittelbar vor dem Anstoß gesprengt. Der während des Turniers immer stärker gewordene Mittelfeldspieler von Champions-League-Sieger Real Madrid klagte nach dem Aufwärmen über Wadenprobleme und wurde in der Startformation durch Christoph Kramer ersetzt. Der Gladbacher ging unerschrocken, aber auch bisweilen ungestüm zu Werke. In der 17. Minute wurde Kramer von Ezequiel Garay im Zweikampf voll mit der Schulter am Kopf erwischt, konnte noch eine Zeit lang weiterspielen, musste dann aber doch mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung das Feld räumen.

Mühe hatte Mats Hummels mit der Bewachung von Superstar Lionel Messi, der als stärkste Offensivkraft auf dem Feld ein ständiger Gefahrenherd für die deutsche Abwehr war. In der 40. Minute musste der in der Abwehr herausragende Jerome Boateng kurz vor der Linie gegen Messi Schlimmeres verhüten.

Argentinier mit Härte

Argentiniens Coach Alejandro Sabella hatte sein weiter ohne den verletzten Angel di Maria spielendes Team hervorragend auf den Gegner eingestellt. Mit zwei Viererketten machten Martin Demichelis und Co. die Räume vor dem eigenen Strafraum eng und gingen in den Zweikämpfen kompromisslos zur Sache. Vor allem Schweinsteiger und Thomas Müller bekamen immer wieder die Härte der Argentinier zu spüren. Müller ging im Finale leer aus.

Die deutsche Mannschaft war von Beginn um Spielkontrolle bemüht, während die Albiceleste vor allem auf Fehler lauerte, um zu überfallartigen Attacken anzusetzen. Mit Schürrle auf der linken Seite erhielt das deutsche Offensivspiel in der Schlussphase der ersten Halbzeit mehr Kontur. Der Wahl-Londoner zwang Romero zur ersten Parade (37.). Die bis dahin beste Möglichkeit bot sich Kroos (43.), der aber mit der Innenseite nur ein Schüsschen zustande brachte. 60 Sekunden später klatschte ein Kopfball von Benedikt Höwedes an den Pfosten.

Zwei Minuten nach Wiederbeginn war der bis dahin fehlerlose Boateng gegen Messi erstmals nicht im Bilde, der Schuss des 27-Jährigen flog knapp am Kasten von Neuer vorbei. Die Aktionen der Südamerikaner wirkten nun zwingender, während sich die deutschen Offensivakteure von der sehr körperbetonten Spielweise beeindrucken ließen. "Das ist ein historischer Tag für ganz Fußball-Deutschland!", jubelte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

   

Bilder