Berlin (dpa) l Fast eine halbe Million Fans in Schwarz-Rot-Gold haben den deutschen Weltmeistern in Berlin einen rauschenden Empfang bereitet. Von der Landung des Sonderfluges LH 2014 um 10.08 Uhr über die Triumphfahrt zur Fanmeile bis zum Auseinandergehen hinter dem Brandenburger Tor präsentierte sich die Hauptstadt am Dienstag in einem vierstündigen Ausnahmezustand. "Grandios. Gänsehaut. Die Gänsehaut von Rio hat sich nach Berlin übertragen", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach der Nachrichtenagentur dpa. Bundestrainer Joachim Löw, Kapitän Philipp Lahm und alle anderen übernächtigten WM-Helden bedankten sich bei den freudetrunkenen Fans für die Unterstützung.

"Ohne euch wären wir nicht hier. Wir sind alle Weltmeister", rief Löw unter lautem Jubel und Jogi-Löw-Sprechchören der fahnenschwenkenden Menge zu. Wie viele Anhänger tatsächlich zur Fanmeile auf der Straße des 17. Juni kamen, wollte selbst die Polizei nur schätzen. Von mehr als 400000 Menschen war die Rede, hinzu kamen Zehntausende an der Strecke des offenen Trucks von Moabit zum Pariser Platz. "Es war natürlich ein langer Weg zum Titel und am Ende auch ein wahnsinnig schwerer", sagte Löw. "Aber wir sind wahnsinnig glücklich, jetzt hier zu sein bei den Fans."

Dass die sportliche Leitung des Deutschen Fußball-Bundes nach dem Wechsel von Assistenztrainer Hansi Flick auf den Posten des Sportdirektors geschlossen auch die Titel-Mission bei der Europameisterschaft 2016 in Angriff nimmt, ist für den DFB ausgemachte Sache - auch wenn Löw sich mit Aussagen zu seiner persönlichen Zukunft zurückhielt.

Die Fans jedenfalls feierten den Weltmeister-Coach immer wieder mit Sprechchören - so wie auch Manuel Neuer oder Rekordtorjäger Miroslav Klose. Aus den Lautsprechern dröhnten "Die Nummer eins der Welt sind wir", der Klassiker "Oh, wie ist das schön" oder der Tote-Hosen-Party-Hit "An Tagen wie diesen". Helene Fischer textete nach dem vierten deutschen WM-Titel nach 1954, 1974 und 1990 extra für die Siegesfeier ihren Ohrwurm "Atemlos" um. Statt der Textzeile "Spür, was Liebe mit uns macht" sang sie "Spür, was Fußball mit uns macht". Die angeschlagenen und oft sonnenbrillenbedeckten Weltmeister tanzten in einer Polonaise über die Bühne.

Die Mannschaft hielt danach ein Riesen-Banner mit der Aufschrift "Obrigado Fans! Der vierte Stern ist unser!" in die Höhe. Lukas Podolski sprach vom "besten Moment in der Karriere bis jetzt". Einziger kleiner Ausrutscher war die Verhöhnung von Finalgegner Argentinien. "So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so", sangen Klose, André Schürrle, Shkodran Mustafi, Mario Götze, Roman Weidenfeller und Toni Kroos, als sie tief gebückt auf die Bühne liefen. Daraufhin richteten sie sich auf: "So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so."

Die Delegation mit Spielern, Familien, Betreuern und Freunden der Nationalmannschaft war zunächst vom Flughafen Tegel mit einem Bus in Richtung Stadt gefahren. Im Stadtteil Moabit stiegen die Weltmeister in einen offenen schwarzen Truck des Hauptsponsors um mit dem Kennzeichen "CHAMPIONS", der auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor nur sehr langsam vorankam. Im Schneckentempo schob sich die Karawane durch ein Meer fahnenschwenkender Fans.

   

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