Brasília - Für die kolumbianischen Fans ist James Rodriguez schon jetzt einer der Stars der WM. Der 22-Jährige ist für die leidenschaftlichen Anhänger der Ersatz-Held für den verletzt fehlenden Radamel Falcao.

Nach der Landung in São Paulo durfte James Rodriguez schon wieder jubeln. Sechseinhalb Stunden, nachdem der neue Liebling der kolumbianischen Fußballfans das wichtige Führungstor beim 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste geschossen hatte und zum zweiten Mal zum Spieler des Tages gekürt worden war, stand endlich fest: Kolumbien hat vorzeitig und erst zum zweiten Mal in der WM-Geschichte das Achtelfinale erreicht.

"Ich glaube, wir können alle sehr glücklich sein", sagte der 22 Jahre alte Kolumbianer. Sein Trainer ist inzwischen total überzeugt von dem jungen Spielmacher des AS Monaco. "Er kann einer der besten Spieler der Weltmeisterschaft werden", lobte der argentinische Coach José Pekerman. "Seine Steigerung ist toll."

Der umjubelte Jüngling ließ bei seinem tollen Tor (64. Minute) sogar Superstar Didier Drogba alt aussehen ließ und setzte sich im Kopfball-Duell gegen den 36-Jährigen durch. Dabei ist Rodriguez kein Torjäger, sondern ein vielseitiger Mittelfeldspieler. Beim AS Monaco, der ihn vor einem Jahr für rund 45 Millionen Euro aus Porto holte, spielt er auch links und rechts im Mittelfeld. Bei den Kolumbianern ist der 22-Jährige der Chef im Zentrum des Spiels.

"Ich bin froh, dass wir gegen einen Gegner mit so viel Erfahrung gewonnen haben. Das einzige, was ich will, ist der Mannschaft beim Gewinnen zu helfen", sagte Rodriguez - und fügte schlitzohrig an: "Wenn das mit meinen Toren gelingt, umso besser." Den zweiten Treffer erzielte der eingewechselte Juan Quintero (70.), ehe Gervinho (73.) nur noch der ivorische Ehrentreffer gelang.

"James, James", schrien die mehr als 50 000 Kolumbianer in Brasilía, die ihren neuen Liebling nur beim Vornamen rufen. "Das ist toll, wenn man so viele Leute hat, die einen unterstützen", gab Rodriguez zu: "Das ist außergewöhnlich." Die unglaublichen Massen an Fans in gelben Trikots feierten in der brasilianischen Hauptstadt bis in den Morgen hinein, während Rodriguez & Co nach ihrer Rückkehr ins Camp unweit von São Paulo den Einzug in die nächste Runde genossen und mit der Regeneration begannen.

Dass Rodriguez die bereits zweite Auszeichnung zum "man of the match" tatsächlich nicht so wichtig war wie der Sieg, darf ihm getrost geglaubt werden. Einmal euphorisiert, schickte er glech noch eine Warnung an die nächsten Gegner: "Ich will immer Tore schießen und Vorlagen geben."

Bei aller Freude über Rodriguez oder den gegen die Ivorer noch auffälligeren Juan Cuadrado - Falcao wird zumindest vom Trainer weiterhin schwer vermisst. "Es ist nicht einfach, jemanden zu ersetzen, der so wichtig war", sagte Pekerman. "Wir sind glücklich, dass das Team das bisher ausgleichen konnte." Aber Pekerman weiß, dass die Partie gegen Japan nur eine Zwischenstation ist und es im Achtelfinale "noch viel schwerer" wird.