Rio de Janeiro - Beschämt flüchteten Englands WM-Versager so schnell es ging vom Ort der bittersten Weltmeisterschaft ihrer Geschichte.

Nach einer kurzen Zwischenlandung in Rio de Janeiro hoben Wayne Rooney & Co. nur gut sechs Stunden nach dem mauen 0:0 gegen Costa Rica mitten in der Nacht gen Heimat ab - bei der Ankunft in Manchester warteten Mittwochmittag bereits bitterböse Schlagzeilen auf sie. "England RIP", titelte der "Daily Express". "Kein Herz, kein Können, keine Seele". Auch die "Daily Mail" beerdigte die einst so stolzen Three Lions auf schwarzem Untergrund: "Ahnungslos. Leblos. Nutzlos."

Nur ein Punkt aus drei Spielen - so schlecht war England noch nie bei einem Weltturnier. Kommentarlos schlurften Rooney & Co. mit weißen Plastikbeuteln an den Journalisten und Kamerateams im Stadion von Belo Horizonte vorbei, missmutig schleppte der Stürmerstar am nächsten Tag seinen Koffer die Gangway hinab.

Noch an Rios Flughafen kommentierte zumindest Roy Hodgson das erste Vorrunden-Aus seit 56 Jahren. "Dieser Tag hat mir viel Positives gegeben", behauptete der angeschlagene Coach allen Ernstes. Zumindest die Reaktion der Fans an dem Ort, wo England mit dem 0:1 gegen die USA 1950 seine bislang größte Schmach erlebt hatte, durfte Hodgson mit Stolz erfüllen. "Sie haben uns eine Ovation gegeben, die unsere Resultate offensichtlich nicht verdienen. Wir sind so traurig und enttäuscht für sie, weil wir wissen, was sie durchmachen."

Trotz der Vertrauensbekundung durch den Verband forderte der englische Boulevard wie bereits zuvor sein sofortiges Amtsende. "Hodgsons Flops schleichen zurück aus Brasilien, eine vergangene Macht im Weltfußball... (Italiens) Prandelli tritt zurück und so sollte es auch Roy tun", schrieb die "Daily Mail".

Neben dem Ersatzkapitän Frank Lampard, der das Team in seinem womöglich letzten Einsatz im Nationaltrikot angeführt hatte, stellte sich zumindest Jack Wilshere den Fragen. "Wir gehen nun zurück nach England und werden jeden Tag daran denken müssen", meinte der 22-Jährige. "Es wäre für mich einfach zu sagen, wir sind jung", meinte er mit Blick in die Zukunft des Weltmeisters von 1966.

Doch genau Spieler wie er machen auf der Insel Mut. "Diese WM kam für unsere Youngster zu früh", meinte Ex-Nationalspieler Gary Lineker, "aber ich denke immer noch, dass wir eine strahlende Zukunft haben werden. Wir haben so viele talentierte Kids", twitterte er. Angesichts der großen Konkurrenz in der Premier League riet Coach Hodgson seinen Talenten gleich zur Emigration: "Wenn sie ein gutes Team im Ausland finden, wo sie regelmäßig spielen, wäre das positiv."

In Brasilien herrschte gut zwei Wochen lang aber nur englische Tristesse. Unter besten Bedingungen hatte sich die Hodgson-Auswahl am Fuße des Zuckerhuts vorbereitet, trotz ordentlicher Offensivansätze blieb der Ertrag aufgrund mangelnder taktischer Flexibilität und Tiefe im Kader dürftig.

"Die jungen Spieler werden von dieser schlimmen Erfahrung profitieren", glaubt aber Routinier Lampard. Für den 36-Jährigen war es ein emotionaler Abschied von der WM-Bühne. Mit nacktem Oberkörper stand er sichtlich bewegt vor den eigenen Anhägern, die ihn und die ganze Mannschaft feierten. "In England sind die Fans einfach so. Es war unglaublich", sagte Lampard.

Zwei Jahre bis zur EM in Frankreich haben sie nun Zeit, aus den Trümmern eine Mannschaft mit Format aufzubauen. Hodgsons Vertrag läuft noch zwei Jahre. Mut für die kommenden 24 Monate macht ihm der 90-minütige Auftritt im Estádio Mineirão, in dem er vor allem den jungen Ersatzspielern eine Chance gegeben hatte. "Sie waren beeindruckend", lobte Lampard die, die es besser machen sollen als seine Generation: "Sie werden das Richtige tun."

Dennoch reichte es nicht mal gegen den relativ zurückhaltend spielenden Überraschungs-Gruppensieger Costa Rica zum dritten Tor im Turnier und zum ersten Sieg. Trost findet sich aber immer irgendwo. "1988 haben wir alle drei Gruppenspiele bei der EM verloren", erinnerte sich Lineker: "Zwei Jahre später waren wir nur ein Elfmeterschießen vom WM-Finale entfernt."