Moskau - Erst überraschend nominiert, dann aussortiert: Russlands Nationaltrainer Fabio Capello verzichtet bei der Fußball-WM in Brasilien auf Legionäre und strich den ehemaligen Stuttgarter Profi Pawel Pogrebnjak vom englischen Zweitligisten FC Reading aus seinem Kader.

Im 23 Spieler starken Aufgebot befinden sich nur Akteure aus heimischen Clubs. Das hat es seit dem vorletzten WM-Auftritt der Sowjetunion 1986 in Mexiko nicht mehr gegeben.

Capello traf bei seiner Auswahl auch unerwartete Entscheidungen. So gehört Roman Schirokow zum Team, obwohl der Kapitän wegen Achillessehnenproblemen überwiegend Einzeltraining absolvierte und auch die ersten beiden Testspiele gegen die Slowakei (1:0) und Norwegen (1:1) verpasste. Zudem verzichtet er auf Artjom Dsjuba vom FC Rostow, der mit 17 Treffern bester russischer Torschütze in der abgelaufenen Saison der Premier League war. Dafür erntete er mindestens Verwunderung von Alt-Internationalen wie Wadim Jewsejew.

Mit Blick auf die Heim-WM in vier Jahren versucht Capello den schwierigen Spagat zwischen Routine und Verjüngung. Auf der einen Seite ist der 94-malige Nationalspieler Sergej Ignaschewitsch mit 34 Jahren der älteste Akteur in einem Team. Zum anderen fährt der Italiener gleich mit neun Akteuren nach Brasilien, die höchstens zehn Länderspiele absolviert haben. WM-Erfahrung hat nur Alexander Kerschakow, der 2002 in Japan und Südkorea dabei war. Das Turnier vor zwölf Jahren war das bislang letzte mit russischer Beteiligung.

Capello hat großes Vertrauen in seine Mannschaft und das Viertelfinale als Ziel ausgegeben. Die Sbornaja bezieht ihr WM-Quartier in der Gemeinde Itu im Bundesstaat Sao Paulo. Das luxuriöse Hotel "San Rafael Country" ist drei Kilometer vom Trainingsstadion "Novelli Junior" entfernt. Der mögliche deutsche Achtelfinalgegner spielt in der Vorrundengruppe H gegen Südkorea (18.6.), Belgien (22.6.) und Algerien (26.6.).