Magdeburg l Langsam aber sicher füllen sich die Reihen beim SCM wieder. Fehlten Uwe Jungandreas zu Beginn der Vorbereitung "bis zu acht Stammspieler" im Training, so hat sich die Lage in dieser Woche "zum Glück ein wenig entspannt". Kapitän Fabian van Olphen mache inzwischen voll mit, Dario Quenstedt sei nach seiner Erkältung wieder auf dem Dampfer "und seit Mittwoch ist auch Stefan Kneer von der Nationalmannschaft zurück und macht wieder im Training mit", zählt der Trainer diejenigen Spieler auf, auf die er auch bei den Testspielen am Freitag in Möckern sowie beim stark besetzten Turnier in Dessau am Sonntag "wenn alles gut geht" zurückgreifen können wird.

Im Training, aber noch nicht voll belastungs-, geschweige denn spielfähig sind Jure Natek (Hand), Tim Hornke (Finger), Matthias Musche und Michael Haaß (beide Fuß). "Bei ihnen müssen wir es langsam angehen und sie schrittweise ans Mannschafstraining heranführen."

Das läuft unter Jungandreas auf einigen neuen Gleisen. "Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, auch im Training. In den letzten dreieinhalb Jahren haben die Jungs hauptsächlich Langhanteltraining gemacht. Und wenn man immer das Gleiche macht, wird das zur Gewohnheit und das Programm wird stupide abgearbeitet", begründet der 52-jährige Coach seine Maßnahme, die Komfortzone zu verlassen und das Training in ein Werkhallen ähnliches Fitnessstudio zu verlegen. Das Krafttraining dort sei komplexer. "Es werden Muskelgruppen angesprochen, die sonst vernachlässigt wurden. Das fördert die Koordination aber auch die Kondition."

"Aggressivere Abwehrarbeit und ein ver-bessertes Tempospiel lassen sich nicht von heute auf morgen aus dem Hut zaubern."

Die neuen Reize seien intensiv und gingen an die Substanz, gibt Jungandreas zu, aber er habe den Eindruck, "dass die Jungs Spaß dabei haben" und willig sind, die eingefahrenen Gleise zu verlassen. "Was den Trainingseifer anbelangt, bin ich sehr zufrieden. Nun muss sich das Ganze nur noch so positiv auswirken, wie wir uns das alle erhoffen."

Gleiches gilt für den handballspezifischen Bereich, denn auch hier hat Jungandreas zwei Stellschrauben besonders im Auge: "Zum einen möchte ich eine aggressivere Abwehrarbeit sehen, zum anderen ein verbessertes Tempospiel." An beiden Dingen werde intensiv gearbeitet, "allerdings lässt sich so etwas nicht von heute auf morgen aus dem Hut zaubern, zumal wir im taktischen Bereich aufgrund der vielen Ausfälle und der Abwesenheit der Nationalspieler momentan nicht so effektiv arbeiten können, wie es eigentlich notwendig wäre", so der Coach, der die obligatorische 6-0-Deckung offensiver interpretiert sehen und mit Blick auf mehr Flexibilität ein zweites Abwehrsystem einführen will.

Inwieweit sein Team bereits in der Lage ist, die Neuerungen umzusetzen, wird Jungandreas heute in Möckern sehen. Um 17 Uhr ist Anpfiff für das Freundschaftsspiel, das im Rahmen der "Sachsen-Anhalt-Tour" 2013 wegen der Flut-Katastrophe abgesagt werden musste.

Ein echter Prüfstein steht am Sonntag beim Turnier um den "Peugeot-Cup" in Dessau an. Dabei muss sich der SCM in der Gruppe B zunächst mit dem Liga-Rivalen Füchse Berlin (Anwurf 14.15 Uhr) auseinandersetzen. Danach trifft der Club auf den Gastgeber, den Drittligisten Dessau-Roßlau (15.45 Uhr). In der Gruppe A spielen die Bundesligisten HSV Hamburg und TSV Hannover-Burgdorf sowie der dänische Erstligist Aarhus Handbold. Jungandreas nimmt das Turnier sehr ernst, erwartet aber keine Wunderdinge. "Wir werden einige neue Sachen ausprobieren und viel improvisieren müssen." Wie alle Teams, denn auch Hamburg und den Füchsen fehlen wichtige Spieler.