Robert Schulze und Tobias Tönnies stehen vor dem nächsten Höhenpunkt ihrer Karriere als Handball-Schiedsrichter: Die beiden 30-jährigen Magdeburger leiten am Sonntag in Dänemark das Rückspiel im EHF-Cup-Finale der Frauen zwischen Team Esbjerg und Lada Togliatti aus Russland.

Magdeburg l Wie ist das Hinspiel ausgegangen? Die Antwort auf diese Frage kommt wie aus der Pistole geschossen: "Mit elf Toren für die Russinnen - Test bestanden würde ich mal sagen!", grinst Tobias Tönnies. Und Robert Schulze, der seit 15 Jahren stetiger Begleiter auf den Handball-Parketts dieser Welt ist, ergänzt: "Ganz so blind sollte man dann doch nicht in ein solches Entscheidungsspiel gehen. Aber zu viel Vorbereitung oder Videostudium ist auch nicht gut." Ein zu genaues Bild von der Spielweise einer Mannschaft mache voreingenommen. "Und Voreingenommenheit", so Schulze, "ist tödlich für Schiedsrichter."

Das ist eine der wichtigsten Lektionen, die die beiden Magdeburger, die sich seit der Grundschule kennen, beim TuS 1860 Magdeburg-Neustadt das Handball-Abc erlernten und später für ihren Heimatverein, den BSV 93 Magdeburg, auf Torejagd gingen, schnell gelernt haben. Ebenso, dass man sich "gerade als junger Schiedsrichter Akzeptanz und Respekt auf dem Spielfeld erst erarbeiten muss".

Das gehe natürlich am besten "durch gute Leistungen und indem man sich nicht für fehlerfrei und allmächtig hält", glaubt Tönnies. "Jeder macht Fehler", sagt auch Schulze. "Zumal das Handballspiel immer schneller wird und Entscheidungen in Sekundenbruchteilen gefällt werden müssen." Natürlich sollten sich Fehlentscheidungen in Grenzen halten, "das Wichtigste ist aber, aus den Fehlern die richtigen Schlüsse und Konsequenzen zu ziehen. Nur das bringt uns als Schiedsrichter weiter voran."

Und weit gekommen sind sie bereits. Sehr weit sogar, denn mit 30 Jahren haben es die beiden, die sich als beste Freunde bezeichnen (Schulze: "Tobias ist der Mann meines Lebens. Wir verstehen uns blind wie ein Ehepaar."), auf über 320 Einsätze in der ersten und zweiten Liga gebracht. Seit 2011 gehört das Gespann dem EHF/IHF-Kader an, 40 international geleitete Spiele zieren die Karriere. "Sahnehäubchen" war das Finale der U-19-Weltmeisterschaften 2013.

"Zugegeben, die Kurve geht schon ziemlich steil nach oben, allzuviel können wir also nicht verkehrt gemacht haben", witzelt Schulze mit Blick auf das Gros positiver Bewertungen der Schiedsrichterbeobachter. Und Tönnies schiebt nach: "Als Handballer hätten wir es sicher nie so weit geschafft, aber das haben wir früh eingesehen und uns dann nur noch auf das Pfeifen konzentriert."

Nachdem sich für die Eliteschiedsrichter mit dem Pokal-Endspiel des Final Four in Hamburg vor vier Wochen bereits ein großer Traum erfüllt hat, träumen die Magdeburger von der absoluten Krönung: "Einmal bei Olympia dabei sein, das wäre das Größte überhaupt." Doch zunächst einmal müssen Schulze und Tönnies am Sonntag mehr als zwei Dutzend Handballerinnen nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Und das wird schwer genug: "Das ist auch so eine Lektion, die wir erst lernen mussten", gibt Schulze zu. "Kommunikation, das ist bei Frauen das A und O."