Doha - Ein für Doha typisches türkisfarbenes Taxi fährt vor. Der Kofferraum steht halb offen und gibt den Blick auf ein Dutzend Sechserpacks großer Mineralwasser-Flaschen frei. Oliver Roggisch war für die Handball-Nationalmannschaft einkaufen.

In Katar bestreitet der 2,02-Meter-Hüne seine sechste Weltmeisterschaft und ist doch ein Neuling, denn in Doha gibt er sein Turnier-Debüt als Teammanager. "Das macht riesigen Spaß, aber es ist auch anstrengend. Ich bin ja ein absoluter Quereinsteiger. Das ist learning by doing", erzählte er vor dem Viertelfinale am Mittwoch gegen Gastgeber Katar.

Nach der vergangenen Saison hat Oliver Roggisch seine Spielerkarriere beendet. Als Abwehrspezialist war er ein Mann fürs Grobe. Typisch für ihn waren seine Unschuldsmiene nach dem Schiedsrichterpfiff und seine Geste mit den seitlich erhobene Händen, die aussagte: "Ich habe doch gar nichts gemacht." In der Bundesliga-Statistik der Spieler mit den meisten Zeitstrafen ist er Zweiter. Sein Spitzname ist "The Rogg" in Anlehnung an das englische "Rock" für Fels.

Dennoch war er als Defensivspezialist so gut, dass er über viele Jahre in der Nationalmannschaft unverzichtbar und sogar ihr Kapitän war. 205 Länderspiele hat er bestritten und 2007 bei der Heim-WM den Titel gefeiert. Mit drei verschiedenen Clubs gewann der 36-Jährige den EHF-Pokal: Mit TuSEM Essen 2005, dem SC Magdeburg 2007 und den Rhein-Neckar Löwen 2013.

Nun steht Roggisch auf der anderen Seite. Zumindest teilweise. Denn als Teammanager besteht eine seiner wichtigen Aufgaben darin, Bindeglied zwischen der Mannschaft und der Verbandsführung zu sein. Obwohl er beim Essen inzwischen am Trainer- und Betreuertisch sitzt, gehört der einstige Kreisläufer noch immer zur WhatsApp-Gruppe der Spieler. "Das zeigt, welches Vertrauen die Spieler zu ihm haben. Das macht ihn so wertvoll", sagte Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB).

Bevor Roggisch mittags die Wasserflaschen mit einem Kofferkuli ins Vestibül des Hotels schob, hatte er bereits ausgefüllte Stunden hinter sich. "Ich bin kein Frühaufsteher", gab der passionierte Taucher zu. Doch in Doha quält er sich immer früh aus dem Bett und geht als Erstes mit Bundestrainer Dagur Sigurdsson und den anderen Teambetreuern laufen. "Da bekommt man den Kopf frei. Und es finden bereits erste Gespräche statt darüber, wie wir die Mannschaft bei Laune halten können", erzählte er.

Dann folgen die nächsten Aufgaben: Tagesabläufe planen und aufschreiben, Ausflüge in die Wüste oder in die Mall Vallagio organisieren, Eintrittskarten für die Familien der Spieler besorgen, Telefonate führen, E-Mails schreiben oder Räume für die Pressekonferenzen buchen. Und Zweck allen Tuns ist es, dem Bundestrainer den Rücken für die sportlichen Belange freizuhalten. "Ich bin für alles das verantwortlich, worum sich Dagur nicht kümmern soll. Das sind alles Dinge, über die ich mir als Spieler nie Gedanken gemacht habe", gab Roggisch zu. Schnell hatte er durch den Vergleich zum Fußball die Bezeichnung "Oliver Bierhoff des Handballs" weg.

Vertraglich sind 30 Tage für seine Tätigkeit als Teammanager im DHB vorgesehen. Die anderen elf Monate steht er in Diensten seines Vereins Rhein-Neckar Löwen als Teammanager und Co-Trainer und studiert nebenher Sportmanagement. Dabei hat er gelernt, dass er flexibel sein muss. "Es ist meine Aufgabe, Lösungen zu suchen. Dafür braucht man ein gutes Netzwerk", sagte Roggisch und unterstrich: "Momentan gibt es wenig Sorgen."