Doha - Die entscheidenden Sätze fielen eher beiläufig. "Wir sind bereit für alles, für jedes große Event", sagte Scheich Joaan Bin Hamad Bin Khalifa Al-Thani auf der Abschlusspressekonferenz der Handball-WM in Katar.

Als Präsident des Organisationskomitees für das Turnier konnte er sich zwar nicht mit Versprechungen über eine erneute Olympia-Bewerbung aus dem Fenster lehnen, als Mitglied der Herrscherfamilie hat sein Wort dennoch Gewicht. Und eines hat das Wüsten-Emirat bewiesen: Das Handball-Turnier war organisiert wie Olympische Spiele en miniature.

Davon hat sich auch Helmut Digel überzeugt. "Unter Organisationsgesichtspunkten beherrschen die Kataris die Ausrichtung von Großveranstaltungen", sagte der Sportwissenschaftler, "ich sehe Katar in der Zukunft als einen Kandidaten für Olympische Spiele." Mit der ersten Bewerbung für die Spiele 2020 war Katar bereits im Vorentscheid gescheitert.

Digel ist auf sportpolitischem Gebiet erfahren. Acht Jahre lang war der 71-Jährige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), bis 2007 Vize-Präsident des Weltverbandes IAAF und ist seither Mitglied in dessen Council. Bei der Handball-WM war er auf Einladung des Weltverbandes IHF.

Katar hat sich als Ausrichter internationaler Großveranstaltungen inzwischen etabliert. Nicht weniger als sieben Weltmeisterschaften fanden seit 2004 in dem kleinen Emirat mit den unerschöpflich scheinenden Reserven an Öl, Gas und Geld statt. Dazu kommen die Asienspiele 2006. Und bis zum größten Prestigeobjekt, der Fußball-WM 2022, folgen noch weitere Weltmeisterschaften: Boxen (Oktober 2015), Paralympische Leichtathletik (Oktober 2015), Straßen-Radsport (September 2016), Turnen (2018) und Leichtathletik (2019).

"Bei all den Ereignissen, die hierher vergeben worden sind, ist zunächst einmal klar, dass Katar Großveranstaltungen ausrichten will. Man sieht es jetzt exemplarisch an der Handball-WM, dass die Wettkampfstätten hervorragend sind", sagte Bernhard Bauer, Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB). Nach seinen Erfahrungen von der fast dreiwöchigen WM ist er voll des Lobes: "Die Unterbringungsmöglichkeiten in Katar sind fantastisch. Die Logistik ist, was die Sportler angeht, gut", befand er. Und auch Martin Hausleitner, Generalsekretär des Österreichischen Handball-Bundes (ÖHB), war trotz frühen sportlichen Scheiterns gegen den Gastgeber begeistert. "Es war alles perfekt organisiert", anerkannte er.

Der erfahrene Digel hat aber auch Schwächen ausgemacht. "Wo ich bislang das zentrale Defizit der Sportpolitik von Katar sehe, dass die eigentliche Bevölkerung, die Kataris, ein sehr distanziertes Verhältnis zum Sport haben. Es gibt also keine lebendige, aktive Sportkultur", sagte der Leichtathletik-Funktionär. Bevor bei der Handball-WM der kometenhafte Aufstieg des Gastgeber-Teams einsetzte, waren die Hallen spärlich besetzt, ehe Publikum organisiert wurde.

Mit dem Bau eines 100 Kilometer langen U-Bahnnetzes wollen die Kataris auch das Problem des permanenten Staus in der Innenstadt lösen. Denn mit dem Zuschauertransport steht und fällt eine Großveranstaltung. Die in olympischen Dimensionen erbaute und ausgestattete Lusail Multipurpose Hall, in der die meisten Spiele und auch das Finale der Handball-WM stattfanden, ist beispielsweise nahverkehrtechnisch noch nicht erschlossen. "Dieses Wissen werden die Kataris natürlich auch übertragen auf die anderen Wettkämpfe. Viele Dinge, die sie jetzt hier erfahren mit den Sportstätten, der Logistik, den Transportwegen werden bis zur Fußball-WM 20122 perfektioniert sein", erklärte Bauer voller Überzeugung.