Magdeburg l Im Männerhandball ist es längst üblich, renommierte Titel in Viererturnieren zu vergeben, die zu einem Event mit Showcharakter für die ganze Familie aufgepeppt werden. Neben dem Final Four in der Champions League (Köln) und dem DHB-Pokal (Hamburg), die seit Jahren mit ausverkauften Arenen und super Stimmung punkten, wird seit 2013 auch der EHF-Pokalsieger an einem Wochenende nach bekanntem Schema ausspielt: Halbfinals am Sonnabend, Spiel um Platz drei sowie Finale am Sonntag.

Der SCM ist nach zweijähriger Abstinenz wieder mittendrin im internationalen Geschäft. Und insgeheim träumt Manager Marc Schmedt davon, das Final Four im Mai 2016 in Magdeburg auszutragen. Auf Volksstimme-Anfrage erklärte er gestern: "Ich gebe zu, den Gedanken in mir zu tragen. Ich hätte wirklich große Lust darauf, das Turnier auszurichten. Und wenn sich uns die Möglichkeit bietet - die sportliche Qualifikation natürlich vorausgesetzt -, dann werden wir mit Sicherheit unseren Hut in den Ring werfen und uns für die Austragung des Final Four bewerben."

Schmedt will Final Four in Magdeburg

Dass es sich lohnt, auch im weniger renommierten EHF-Pokal die Finalrunde auszurichten, haben die Füchse Berlin und ihr "Macher" Bob Hanning in diesem Jahr erleben dürfen. Zum zweiten Mal hatten die Hauptstädter den Zuschlag als Gastgeber des Final Four erhalten.

Zwar war die Max-Schmeling-Halle mit 8268 Zuschauern im Finale auch diesmal nicht ausverkauft, jedoch waren weitaus mehr gekommen als noch im Vorjahr (7000). Und nicht zuletzt konnten die Füchse mit dem "8. Mann" im Rücken den HSV Hamburg im Finale bezwingen und so ihren ersten großen Titel feiern. Von der Mega-Party mit den eigenen Fans und der Siegprämie von 100.000 Euro mal ganz abgesehen, hat sich der Aufwand der Gastgeber somit doppelt ausgezahlt.

"Ich denke schon, dass am Ende in Berlin Gewinn mit der Ausrichtung des Final Four gemacht wurde", meint Schmedt. Doch nicht nur deshalb würde er weder Kosten noch Mühen scheuen, das Final Four nach Magdeburg zu holen. "Auch unser Publikum ist seit eh und je an internationalen Spielen interessiert." Bei der EHF-Pokal-Teilnahme 2013 hätten schon bei den Gruppenspielen die Besucherzahlen zwischen 2500 und 4000 gelegen, so Schmedt, der sich sicher ist, dass ein Final Four ganz bestimmt ausverkauft wäre. "Wir werden also auf jeden Fall formlos unser Interesse signalisieren."

EHF will neutralen Final-Four-Ort

Allerdings sieht der SCM-Geschäftsführer noch viele Unwägbarkeiten auf dem Weg zum "finalen Heimspiel", das es beim SCM letztmals 2007 beim Gewinn des EHF-Cups gegeben hat.

Nicht nur, dass auch Berlin erneut mit der Ausrichtung liebäugelt und es gar Bestrebungen von Hanning gibt, quasi analog zu Köln die deutsche Hauptstadt als "festen Spielort" fürs EHF-Pokal-Final-Four zu etablieren, auch die ebenfalls für den EHF-Pokal qualifizierten Göppinger haben bereits Interesse signalisiert. Zudem müsse natürlich die EHF mitspielen, betont Schmedt. Und die denke vielmehr darüber nach, im Sinne der Chancengleichheit einen neutralen Ort fürs Final Four im EHF-Pokal zu wählen, damit nicht beide großen Titel in Deutschland ausgespielt werden.

Das Wichtigste sei jedoch die sportliche Seite. Schmedt: "Bislang wurden die Spielorte nach Abschluss der Gruppenphase bekanntgegeben. Das heißt, wir müssen diese erst einmal schadlos überstehen und möglichst auch noch Gruppenerster werden, alles andere wäre sonst Makulatur."

Gesetzt den Fall, gebe es analog zur Vorgehensweise der EHF in den zurückliegenden drei Jahren auch noch einen nicht zu unterschätzenden positiven Nebeneffekt: Als Gruppensieger und Ausrichter des Final Four würde der SCM das Viertelfinale überspringen und automatisch für die Endrunde gesetzt sein. Zugegebenermaßen ist das wohlklingende Zukunftsmusik für den SCM - aber träumen ist nicht verboten.