Magdeburg | Knapp eine Woche vor der WM in Katar wollen sich die deutschen Handballer bei den Duellen mit Tschechien am heutigen Freitag (20.15 Uhr/Sport1) in Stuttgart sowie tags darauf in Mannheim den letzten Schliff holen. Mittendrin statt nur dabei: SCM-Linksaußen Matthias Musche (22). Mit dem Nationalmannschafts-Neuling sprach Janette Beck.

Haben Sie inzwischen realisiert, dass Sie Nationalspieler sind und sich auf eine WM vorbereiten?
Matthias Musche:
Schon alleine die Berufung in den erweiterten WM-Kader war eine Riesenüberraschung und das schönste Weihnachtsgeschenk für mich überhaupt. Aber dass ich jetzt immer noch dabei bin, das ist unfassbar. Ich freue mich tierisch darüber und bin stolz. Anfangs war alles wie ein Traum. Dass ich tatsächlich ein Teil der Mannschaft bin, wurde mir erst so richtig klar als ich mit den anderen Jungs in Island aufgelaufen bin - mein erstes Länderspiel im A-Team, das war unglaublich. Wenn man mir das vor einem Jahr vorausgesagt hätte, dann hätte ich gesagt: Träum` weiter!

Und der Traum ging offensichtlich weiter, denn Sie sind bei den beiden WM-Tests gegen Island sogar zum Einsatz gekommen. Könnten Sie auf Anhieb sagen, wie viele Minuten Sie gespielt haben?
Klar, das ist nicht schwer: Im ersten Spiel waren es zehn Minuten, im zweiten drei. Aber leider hatte ich keinen einzigen Wurf, so dass ich auf mein erstes Tor noch warten muss.

Waren Sie trotzdem zufrieden?
Ich glaube, ich habe nicht allzuviel verkehrt gemacht. Überhaupt zum Einsatz zu kommen, wenn man so einen Weltklassespieler vor sich hat wie Uwe Gensheimer - dem wohl besten Linksaußen überhaupt - ist mehr, als ich erwarten konnte.

Ist Ihnen nicht das Herz in die Hose gerutscht, als im ersten Spiel Gensheimer mehrere Fehlwürfe hintereinander hatte und Bundestrainer Dagur Sigurdsson Sie ins kalte Wasser geworfen hat?
Wenn du da auf der Bank sitzt, darfst du keine Angst haben, denn du musst ja immer mit einem Einsatz rechnen und jederzeit bereit sein, dein Bestes zu geben. Also bin ich los, ohne mir groß einen Kopf zu machen.

Und das, obwohl Sie kaum gemeinsame Spielpraxis hatten?
Egal, ob man im Verein oder in der Nationalmannschaft ist, es geht grundsätzlich um das Gleiche: Handballspielen. Zwar kenne ich die anderen kaum, aber das Zusammenspiel klappt von Training zu Training besser. Als junger Spieler sollte man keine Angst davor haben, etwas falsch zu machen. Ich bin ja vor allem hier, um zu lernen und mir von den anderen etwas abzuschauen. Ich habe mich von Beginn an wohlgefühlt und bin toll aufgenommen worden. Das sind alles sehr nette Leute hier und man begegnet sich auf Augenhöhe. Allerdings halte ich mich als Neuling bewusst im Hintergrund.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, am 13. Januar im Flieger nach Doha zu sitzen?
Das ist schwer zu sagen, aber ich denke schon, dass der Bundestrainer kein Risiko eingehen will und mit zwei Linksaußen zur WM fährt. Aber erstmal müssen wir die Testspiele gegen Tschechein erfolgreich bestreiten, und ich hoffe, dass ich zu weiteren Einsatzzeiten komme. Wenn der Trainer mir dann am Samstagabend sagen würde: "Ab nach Hause, Tasche packen, wir sehen uns am Montag!" - dann wäre ich natürlich total happy. Ich darf gar nicht dran denken ...