Magdeburg l Die WM in Katar ist Geschichte. Abgehakt. Eigentlich. Doch das Turnier in der Wüste liegt Jure Natek offensichtlich noch immer schwer im Magen. Darauf angesprochen, lässt die Körperspannung nach, er wirkt nachdenklich. Und das Lachen, das eben noch bei einem Spaß eines Teamkollegen über die Lippen kam, fällt dem 32-jährigen "Dauerbrenner" in der slowenischen Nationalmannschaft (150 Länderspiele/387 Tore) nun auf einmal schwer.

"Die WM war okay, aber nichts Besonderes. Außer, dass wir zum Schluss mit Frankreich, Dänemark und Deutschland drei Niederlagen am Stück kassiert haben." Natürlich habe man sich mehr vorgenommen als Platz acht. Ziel war vielmehr, den Sprung in ein Olympia-Qualifikations-Turnier zu schaffen. "Das haben wir verpasst", blickt Natek zurück und sucht nach Erklärungen. "Irgendwie lief es für uns von Beginn an nicht rund. Individuell und mannschaftlich kam vieles zusammen: Pech mit den Schiris, kein guter Tag, unnötige Fehler - irgendwas war immer, das war schon komisch."

Genauso durchwachsen sei es auch für ihn selbst gelaufen, resümiert der Slowene, der in neun WM-Spielen auf 25 Tore kam. Sein bestes Spiel zeigte er, als es gegen Deutschland im Kampf um Platz sieben um die Wurst ging und er beim 27:30 neunmal traf: "Persönlich gilt eigentlich das gleiche Fazit wie für die Hinserie beim SCM: Ich kann mehr", bekennt der Rückraumspieler, der in der der Liga bis zur Winterpause auf 58 Treffer für den SCM kam. In seiner ersten und gleichzeitig besten Saison 2010/11 waren es 150 Tore.

"Lass uns über etwas anderes reden als die WM, jeder hat gesehen, was das los war."

Was Natek aber richtig sauer aufstoßen lässt, war das Turnier in Katar an sich. Der Linkshänder macht sich Sorgen um die Reputation seiner Sportart: "Was da so abgelaufen ist, war alles andere als Werbung für den Handball und den Sport im Allgemeinen." Speziell was der Gastgeber veranstaltet habe, sei "lächerlich" gewesen. Damit meine er aber nicht die sportliche Leistung von Katar. "Keine Frage, die Mannschaft war klasse. Aber das war eine zusammengekaufte Truppe, Legionäre ohne katarische Wurzeln - also mehr Vereinshandball als alles andere. So etwas hat bei einer WM nichts zu suchen, finde ich. Und von den Schiris will ich gar nicht erst anfangen ..."

Und dann redet sich der Slowene doch in Rage und lässt kein gutes Haar am Weltverband IHF: "Da sind Leute an der Macht, die vom Profihandball keine Ahnung haben. Es geht nur um Macht, Geld, Connections und Freundschaften." Ein kleines Land wie Slowenien habe null Lobby und damit keine Chance. "So etwas kann sich keine Sportart auf Dauer leisten. Aber egal, lass uns über etwas anderes reden als die WM, jeder hat gesehen, was da los war."

Gerne, reden wir über das Naheliegende, die Gegenwart und Zukunft - den SCM. Die Miene von Jure Natek (Vertrag bis Juni 2016) hellt sich auf, der Körper strafft sich, die Augen fangen an zu strahlen: "Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Und es macht Spaß, mit den Jungs im Verein zu trainieren. Wir haben ja noch viel vor." Das sei bei den wenigen gemeinsamen Trainingseinheiten, die zur Vorbereitung auf das Spiel gegen Gummersbach geblieben sind, deutlich zu spüren. "Alle sind heiß. Es ist einfach eine Riesefreude für uns, endlich wieder vor unserem tollen Publikum spielen zu können."

Mit Blick auf die Bundesliga-Traumserie von acht Siegen vor der Winterpause erklärt der Slowene: "Natürlich möchten wir gegen den VfL daran anknüpfen, aber wir dürfen uns auch nichts vormachen: Die Serie liegt weit zurück, ist Vergangenheit." Genauso wie das mit 27:28 unglücklich verlorene Hinspiel. Am Sonntag gegen Gummersbach fange man wieder bei 0:0 an, so Natek: "Ich bin aber zu 100 Prozent überzeugt davon, dass wir die bessere Mannschaft sind und das am Sonntag auch zeigen werden."