Magdeburg/Flensburg l Es war schon etwas länger her, ge-naugenommen sechs Jahre, dass die Magdeburger den Flensburgern in der "Hölle Nord" die Show gestohlen haben. Am Mittwochabend war es wieder an der Zeit für eine Sternstunde. Kein Wunder, dass der Jubel und das Siegertänzchen nach dem Abpfiff wilder ausfielen als sonst. Vielleicht war die Freude aber auch deswegen so groß, weil eine besondere "teambildende Maßnahme" zur Selbstbelohnung winkte: Van Olphen Co. sind gestern mit der Mannschaftskasse unterm Arm zu einem viertägigen Kurztrip nach Madrid aufgebrochen.

Die Auszeit fand mit ausdrücklicher Genehmigung von Trainer Geir Sveinsson statt: "Das haben sich die Jungs verdient." Angesichts der überzeugenden Leistung war der Isländer voll des Lobes: "Ich bin sehr, sehr glücklich über diesen Sieg. Aber ich habe es immer gesagt, wir können viel." Vor allem müsse er die Einstellung loben. "Die Mannschaft hat um jeden Ball gekämpft, und die Konzentration war über 60 Minuten hoch", so der Isländer, der dennoch einschränkend erklärte: "Man darf nicht vergessen, dass bei Flensburg wichtige Stammkräfte gefehlt haben, das hat man dem Spiel auch angemerkt."

Manager Marc Schmedt hatte auf der Tribüne das bis zur 29. Minute völlig offene Spiel (13:12) verfolgt. Auch er hatte die Probleme der Flensburger mitbekommen, die in der 15. Minute mit Thomas Mogensen den vierten Ausfall quittieren mussten. Er hatte mit Genugtuung und Freude registriert, dass Jannick Green (21 Paraden) und die Abwehr in Bestform waren. Und er hatte gehofft, dass die Mannschaft die Gunst der Stunde zu nutzen weiß.

Das tat sie in der zweiten Halbzeit in beeindruckender Manier. Die Deckung und Green waren weiter auf Zack. Die Chancen zu leichten Toren im Gegenstoß wurden konsequent genutzt. Im Positionsangriff wussten Andreas Rojewski und Michael Haaß mit schönen Aktionen zu überzeugen. Eine Vorentscheidung war das 26:21 in der 49. Minute. Am Ende war auch Schmedt restlos begeistert und erklärte kryptisch: "Deal ist Deal - aber dafür greife ich gerne in die Kasse." Danach folgte die Auflösung des Rätsels: "Ich hatte vor dem Spiel mit Fabian (van Olphen/d. Red.) gesprochen. Auch über Madrid. Da hat er zu mir gesagt: Wenn wir das Spiel gewinnen, bezahlst du uns die Busfahrt nach Berlin zum Flughafen." Für die hätten die Spieler sonst selbst aufkommen müssen.

Über die unverhoffte Entlastung der Mannschaftskasse war Fabian van Olphen hoch erfreut. "Hat Marc echt gesagt, dass er den Bus bezahlt?", war die erste Reaktion, als der Kapitän am späten Mittwochabend von der Volksstimme über seinen Verhandlungserfolg unterrichtet wurde. "Super, das wird die Jungs freuen. Toll, dass das Versprechen gehalten wird. Aber so ist er, unser Manager: ein Mann, ein Wort. Er weiß uns mit solchen Gesten zu belohnen."

Auf die Frage, ob in Spanien auch die bislang unausgesprochenen Worte "Champions League" fallen werden, grinste van Olphen verschwörerisch: "Wer weiß ... Aber das ist eh ein Vabanquespiel, weil du dir nicht sicher sein kannst, welcher Platz letztlich für die Königsklasse reicht." Das bestimme der europäische Verband EHF je nach Lust und Laune. "Am Besten ist, wir schauen weiter nur von Spiel zu Spiel." Die Zeichen für eine Fortsetzung der Serie stünden aber gut, so der Käpitän: "Am 1. März geht`s weiter. Da kommt Hannover, das ist machbar." Für die nächsten vier Tage wurde "Hannover" allerdings von van Olphen zum Unwort erklärt: "Damit beschäftigen wir uns erst ab Montag, jetzt ist erstmal Party und Freizeit angesagt."