Magdeburg l Jannick Green hatte leise gelächelt. Schon ab der 40. Minute. Weil Göppingen mal wieder den Ball verloren hatte, weil Robert Weber mal wieder einen Konter zu m zehnten seiner elf Treffer vollendet hatte. Es stand deshalb 20:9 am Mittwochabend in der Getec-Arena zu jenem Zeitpunkt. Und wenngleich Torhüter Green zu späterer Stunde etwas verlegen über sein Lächeln berichtete, konnte er den Eindruck nicht mehr revidieren. Er sagte also: "Wenn alles so gut klappt und wenn die wahnsinnige Stimmung dazukommt, dann kann man auch mal lachen." Für den Wahnsinn hatte eine grün-rote Wand aus 6600 Einzelfans bereits seit dem Einmarsch ihres SCM gesorgt.

Auch deshalb also war jede Sekunde dieses Spiels, vor allem in der zweiten Hälfte, ein Glücksmoment - und für den Gegner der nächste Schritt in die Hölle. Göppingen erlitt in diesem Pokal-Viertelfinale eine Schmach, ja Demütigung. Nicht selten hat solch eine 17:32 (6:12)-Niederlage langwierige Spuren hinterlassen. Magnus Andersson, der Frisch-Auf-Trainer, erklärte jedenfalls erschöpft: "Ich möchte die zweite Halbzeit einfach vergessen. Ich bin schockiert." Und diese Starre muss sich erst mal lösen.

Der SCM befindet sich auch in einer Starre - in jener des Erfolges. 13 Pflichtsiege in Serie, ins Final Four (9./10. Mai in Hamburg) eingezogen, ins sechste übrigens nach 1996, auch 1999, 2002, 2004, 2006: Worin liegt bloß das Geheimnis? Keeper Green hat es sich mit der Antwort leicht gemacht: "Einfach nicht drüber reden." Sein Kollege Dario Quenstedt hat es sich ebenso leicht gemacht: "Das ist eher ein Thema für die Medien." Regisseur Michael Haaß wurde schon konkreter: "Leistungssport spielt sich im Kopf ab. Wir haben einige Dinge, die immer funktionieren, auch wenn es nicht so gut läuft. Denn nicht jeder der 13 Siege war von uns eine Gala-Leistung." Coach Geir Sveinsson blieb mit schelmischem Grinsen mysteriös: "Es gibt dafür Gründe, vielleicht nenne ich die, wenn die Saison vorbei ist." Es bleibt spannend.

Vielleicht aber ist die Lösung des Rätsels leichter als gedacht. Ganz sicher ist ein Grund für die Serie der 51-jährige Coach, dem es gelingt, die individuellen Stärken höchst effektiv in einem System zu verpacken. Ganz sicher ist es zudem das gewachsene Selbstvertrauen, das diese Serie mit sich bringt. Und vielleicht ist es wirklich nur diese Einstellung, dass der nächste Gegner immer der schwerste ist.

"Das war unsere beste Abwehrleistung in dieser Saison, unglaublich"
Kapitän Fabian van Olphen


Haaß meinte letztlich: "So ein richtiges Geheimnis gibt es nicht." In diese Antwort stimmten alle weiteren unabhängig voneinander befragten Protagonisten fröhlich mit ein.Vielleicht ist es aber auch ein ewiges Misstrauen des Trainers: "Ich hatte zu Beginn der zweiten Hälfte die Befürchtung, die Mannschaft könnte das Spiel zu locker nehmen. Aber ich habe nie den Glauben an meine Spieler verloren", berichtete Sveinsson nach dem Göppingen-Duell über sein Gefühl, obwohl es zur Pause doch 12:6 gestanden hatte.

Die Spieler selbst hatten ihren Glauben auch nicht verloren, denn sie wussten: "Das war unsere beste Abwehrleistung in dieser Saison, unglaublich", jubelte Fabian van Olphen, jubelte Haaß und jubelte Green, der meinte: "Wenn du als Torwart zehn Minuten keinen Ball hältst, aber dein Team mit 4:2 führt, sagt das alles über das Spiel aus." Sveinsson ergänzte: "Wir hatten eine super Harmonie zwischen Abwehr und Torhüter."

Was auch immer das Geheimnis der Serie sein mag, ob Harmonie, Selbstvertrauen oder die anderen Dinge, die (noch) nicht genannt werden, für Sveinsson steht am 9./10. Mai fest: "Wir fahren nicht nach Hamburg, um nur dabei zu sein." Auch nicht am kommenden Dienstag, wenn die Magdeburger ab 20.15 Uhr zum Bundesliga-Spiel beim HSV zu Gast in der O2-World sind.

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