Lemgo/Magdeburg l Gefühlt ist es gerade nicht einfach, Finn Lemke zu sein. Er will im nächsten Jahr mit dem SC Magdeburg im europäischen Wettbewerb spielen, er will in dieser Saison mit dem TBV Lemgo den Klassenerhalt schaffen. Finn Lemke, Shooter von selbst gemessenen 2,12 Metern Körpergröße, hat mit diesem Zwiespalt allerdings gar kein Problem: "Natürlich freue ich mich, ab Sommer für Magdeburg zu spielen. Aber gerade weil wir in Lemgo in einer sehr schwierigen Situation sind, steht der TBV für mich absolut im Mittelpunkt."

Für den 22-Jährigen ist die Partie am morgigen Mittwochabend in der Getec-Arena (Anwurf: 19 Uhr) ein letzter Vorgeschmack auf die Zukunft. Es ist der dritte Auftritt seiner Karriere auf der heiligen Platte des Traditionsvereins. Er hat dort schon mal an den Norddeutschen Meisterschaften als B-Jugendlicher teilgenommen, daran hegt er "eher weniger schöne Erinnerungen", sagt er lächelnd. Allerdings hat er in der vergangenen Saison mit Lemgo in Magdeburg gewonnen (34:33): "Das war ein schönes Erlebnis."

Lemke tritt morgen Abend mit seinem Team jedenfalls nicht als Punktelieferant an: "Das primäre Ziel ist es, Punkte für den Klassenerhalt zu holen." Seit der Niederlage am Nikolaustag 2014 gegen Hannover-Burgdorf (27:31) hat Lemgo unter dem neuen Trainer Florian Kehrmann eine Aufholjagd gestartet, und diese ist typisch für den Abstiegskampf: ziemlich mühselig nämlich. Vier Siege, vier Unentschieden, eine Niederlage verbuchte der TBV in den letzten neun Partien. Der Vorsprung des Tabellen-15. auf den ersten Abstiegsplatz (TSG Friesenheim) beträgt nur einen Punkt. Trotzdem ist Lemke mit Lemgo gestärkt aus den vergangenen Wochen gegangen: "Im Spiel gegen Erlangen als einen direkten Konkurrenten ist uns zuletzt ein wichtiger Sieg gelungen." Am Frauentag setzte sich der TBV mit 29:23 durch. "Wichtig ist, dass wir den Schwung in die nächsten Aufgaben mitnehmen", weiß Lemke.

Er hat bislang 85 Treffer zur Rettung der Lemgoer beigetragen. Dabei musste er zwangsläufig eine Trainingspause im Winter einlegen. Er hatte aufgrund eines Mittelhandbruchs, zugezogen am 26. Dezember gegen Melsungen, sogar die Weltmeisterschaft in Katar verpasst. "Die Tasche war schon gepackt, ich wollte zum Lehrgang fahren. Das war echt schade. Aber ich hoffe auf meine Chance, noch an vielen Weltmeisterschaften teilnehmen zu dürfen", erklärt er. Zumindest ist die Hand "wieder voll funktionsfähig". Und auch die Schulterverletzung, die er sich vor drei Wochen gegen Friesenheim (32:32) zugezogen hatte, ist ausgeheilt.

Und was sagt Lemke über den SCM? "Magdeburg hat sich gerade in der Abwehr mit zwei klasse Torhütern stark entwickelt. Und die Serie von elf Bundesliga-Siegen zeigt eine große Beständigkeit in der Mannschaft." Die Serie ist am Dienstag vergangener Woche mit der Niederlage beim HSV Hamburg (29:33) allerdings gerissen, das weiß auch Lemke. Wohl auch deshalb glaubt er: "Die Chance ist auf jeden Fall da, zwei Punkte aus Magdeburg mitzunehmen."