Die Trainerstimmen
Geir Sveinsson, SCM: "Ich denke, am Ende haben sich beide einen Punkt verdient. Wir haben ein gutes Spiel gesehen. Wir hatten in den ersten 20 Minuten Probleme in der Abwehr und konnten diese danach langsam lösen. Unsere Torhüterleistungen waren im ersten Abschnitt nicht so gut, im zweiten haben uns beide Keeper sehr geholfen. Wir haben alles gegeben."

Kai Wandschneider, Wetzlar: "Drei Tage nach dem Sommerhandball in Berlin (24:32 bei den Füchsen/d.Red.) haben wir die richtige Antwort gegeben. Für mich ist das ein gewonnener Punkt, zumal der SCM auf einem ganz anderen Level spielt als in den Jahren zuvor. Auch als wir in der zweiten Hälfte mit zwei Toren zurücklagen, haben wir die Köpfe nicht hängen lassen."

Magdeburg l Robert Weber spielt jetzt sieben Jahre Bundesliga, über sein Torekonto konnte er sich noch nie beschweren. Seit dem 31:31 und seinen 13 Toren in Wetzlar sind es in der aktuellen Saison 214 Treffer des Rechtsaußen vom SCM. Das ist Ligaspitze. Weber hatte sich am Sonnabend vor 4222 frenetischen Fans in der Rittal Arena nur zwei Fehlwürfe geleistet. Und weil ihm solche Quote ziemlich regelmäßig gelingt, hat der Linkshänder einen netten Kampfnamen erhalten. Getauft in der Pressekonferenz nach dem dramatischen Duell von HSG-Trainer Kai Wandschneider, heißt Weber jetzt "Mister Evergreen". Der Dauerbrenner also, der immer geht. Herzlichen Glückwunsch.

Weber selbst war sich indes nicht ganz sicher, was er vom Remis halten sollte: "Für mich persönlich war es ein super Tag, aber mit einem Tor mehr von mir hätten wir auch gewinnen können", meinte der 29-Jährige. "Wir haben es nicht geschafft, mal auf drei Tore wegzuziehen, haben blöde Zwei-Minuten-Strafen kassiert zum Ende. Deshalb war es ein glücklicher Punkt."

Er meinte zunächst die Phasen, als unter anderem Keeper Dario Quenstedt mit drei Paraden zu Beginn der zweiten Hälfte die Grundlage für die 22:20-Führung legte (38.), oder als der SCM durch ein Tor von Marko Bezjak noch mit 26:24 in Front lag (45.). Aber dann vergab der SCM durch technische Fehler (insgesamt sieben) zu viele Möglichkeiten.

Für einen Sieg fehlte im ersten Abschnitt eine aggressive Abwehr. "Wir haben ohne Kontakt gespielt", analysierte SCM-Sportchef Steffen Stiebler. Deshalb konnte sein Team die Pässe auf Sebastian Weber am Kreis nicht verhindern. Dafür hatte Robert Weber gemerkt, "dass ich gut drauf bin und die Lockerheit habe" - und deshalb die Siebenmeter sicher verwandelte: Als Weber zur Tat in der 13. Minute schritt (12:10), nahm sich Bartosz Jurecki jeden anderen zur Brust und forderte Kampf und Körpersprache. Auch von Jannick Green, den bis dahin traurigen Torwart, der mit der letzten seiner sechs Paraden noch den Punkt retten sollte.

Nachdem nämlich Quenstedt (sechs Paraden), er hatte sich mit Denis Manaskov behakt, mit einer Zeitstrafe vom Feld musste (30:30/55.), kehrte der 26-Jährige zurück, hielt selbst in doppelter Unterzahl des SCM über 1:45 Minuten die 31:30-Führung, zuvor erzielt durch Yves Grafenhorst, fest (58.). Wetzlar schaffte dennoch den Ausgleich, Magdeburg beendete seinen letzten Angriff mit technischem Fehler. Die Halle tobte. "Ich habe noch Ohrensausen", beklagte Stiebler ein Taubheitsgefühl nach dem Spiel.

In den letzten elf Sekunden kämpfte Wetzlar um den Siegtreffer, Steffen Fäth hatte ihn letztlich auf der rechten Hand - und scheiterte mit der Schlusssirene an Greens linkem Fuß. Das ließ auch Weber aufatmen: "Vor ein, zwei Jahren hätten wir dieses Spiel verloren", sagte er. "Das passiert heute Gott sei Dank nicht mehr, das ist die Qualität, die wir dazugewonnen haben."

Wetzlar: Hombrados, Wolff - Prieto Martos, Lipovna 1, Manaskov 3, S. Weber 6, Tönnesen 6, Laudt 2, Fäth 3, Hahn 2, Bliznac, Harmandic 6, Klesniks, Rompf, Joli 2/2

SCM: Green, Quenstedt - Musche, van Olphen 2, Natek 2, Bagersted 2, Grafenhorst 2, Haaß 4, Bezjak, 3, R. Weber 13/2, Saul 2, Jurecki 1, Lie Hansen

Schiedsrichter: Pritschkow/Pritschkow (Leinfelden/Degerloch). Zuschauer: 4222. Siebenmeter: HSG 2/2 - SCM 2/2. Zeitstrafen: HSG 5 - SCM 4