Magdeburg l Um zu wissen, wie groß beim THW Kiel dann doch die Erleichterung nach dem 32:26-Erfolg in der Getec-Arena war, brauchte es nur die Reaktionen von Trainer Alfred Gislason: Ungewöhnlich öffentlich ließ er seiner Freude freien Lauf. Er knuffte, rüttelte und umarmte Goalgetter Domagoj Duvnjak (7 Treffer) wie ein kleiner Lausbub und reihte sich lachend in den Siegerreigen seiner Spieler ein.

"Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen", gab der Meistermacher vom Dienst nach der Partie offenherzig zu. Nach dem Remis vor drei Tagen gegen die Löwen und aufgrund weiterer Ausfälle sei der Druck auf den THW groß gewesen, "denn mit einer Niederlage hätten wir die Meisterschaft nicht mehr in der eigenen Hand gehabt", sprudelte die ungeschminkte Wahrheit aus dem isländischen Geysir heraus und verriet in seinem Stimmungshoch, warum er seinem Ex-Club insgeheim fest die Daumen drückt: "Ich habe eine Wette zu laufen, dass Magdeburg Pokalsieger wird."

Derweil verteilte THW-Geschäftsführer Thorsten Storm neben Lob an sein Team ("Es hat mich stark beeindruckt, wie fokussiert unsere Mannschaft trotz der vielen Ausfälle und des Drucks, der auf uns lastete, in das Spiel gegangen ist.") auch Blumen an den Verlierer. "Wir waren mit großem Respekt nach Magdeburg gereist, denn inzwischen ist das wieder eine der gefährlichsten Hallen in Deutschland." Und natürlich habe man beim THW registriert, "was hier im letzten Jahr geleistet worden ist. Der SCM steht zu Recht da, wo er steht."

Die warmen Worte hörte Steffen Stiebler wohl, dennoch hielt es den Sportchef nicht davon ab, nach der doch recht früh absehbaren Niederlage (9:14/24. Minute) den Finger in die Wunde zu legen: "Der THW hat völlig verdient gewonnen. Heute hat man eben auch den Unterschied zwischen einer Champions-League-Mannschaft und uns gesehen. Wir waren immer einen halben Schritt zu spät, obwohl wir uns viel vorgenommen hatten."

Letzteres bestätigte auch Michael Haaß: "An Kampf und Leidenschaft hat es nicht gefehlt. Ich denke, wir sind nicht in Ehrfurcht erstarrt und haben uns so gut es ging gewehrt", so der Spielmacher, dem die Spuren des Kampfes ins Gesicht geschrieben standen. Ein Pflaster kaschierte die Platzwunde, die er sich bei einem Ellenbogen-Check zugezogen hatte. Doch das sei "nicht der Rede wert".

Auch die Niederlage gegen Kiel konnte der dreifache Torschütze einigermaßen verschmerzen: "Kiel war einfach besser, das muss man respektieren. Wir haben nicht schlecht, aber auch nicht gut gespielt. Doch um den THW zu bezwingen, muss eben alles passen - und das hat es nicht", so Haaß, der im verpatzten Start in die zweite Halbzeit, als der SCM selbstverschuldet mit acht Toren in Rückstand geriet (12:20/34.) den Knackpunkt sah.

Dass der SCM mit den nächsten beiden Auswärtsspielen gegen Melsungen (15. April) und Friesenheim (18. April) vor der "Woche der Wahrheit" stünde, darüber brauche man nicht zu reden, so Haaß. "Wir wissen, dass Melsungen heiß ist und mit dem Messer zwischen den Zähnen auf uns wartet. Wir müssen aufpassen und punkten, damit unser Vorsprung nicht noch weiter schmilzt."