Kassel l Michael Roth, der Coach des Gastgebers, war von einem "engen Spiel auf Augenhöhe" ausgegangen. Die Siegchancen seines Teams hatte er auf "50:50" beziffert. Dies allerdings unter der Voraussetzung, dass seine Jungs im "Schlüsselspiel auf dem Weg nach Europa" vor allem im Angriff besser spielen müssen als zuletzt bei der 20:25-Pleite im EHF-Cup in Skjern.

Gesagt, getan? Mitnichten, denn Roth hatte die Rechnung ohne den Wirt - sprich die Abwehr des SCM gemacht. Von Beginn an zeigte sie den erforderlichen Biss, nahm die Zweikämpfe an und provozierte so Fehler. Diese konnten sie jedoch zunächst nicht nutzen. Doch das zweite Tor von Jure Natek zum 3:1 (5. Minute) war der "Dosenöffner" auch für den Angriff. Schnell wurde die Führung mit einem agilen und ideenreichen Marko Bezjak als Motor im Angriff auf 6:2 ausgebaut (12.).

Nur langsam konnte sich Melsungen von der Umklammerung befreien, Mikael Appelgren im Tor verhinderte mit seinen Paraden Schlimmeres. Eine Überzahl nutzend, gelang mit viel Kampf und Krampf der 5:6-Anschlusstreffer. Doch der SCM berappelte sich sofort, zog erneut an und blieb am Drücker. Sogar eine doppelte Unterzahl (van Olphen nach Foul und Bezjak wegen Meckerns) überstanden die Magdeburger mit nur einem Gegentor glimpflich (12:10/28.). Danach waren die Gastgeber wohl schon mit dem Gedanken in der Kabine. Glück für den SCM, der freie Bahn hatte und noch drei Treffer bis zum Pausenpfiff nachschenken konnte.

In die zweite Hälfte starteten die Magdeburger, die in der Kasseler Rothenbach-Halle wider Erwarten doch nicht auf Andreas Rojewski (Knie) zurückgreifen konnten, nicht wie erhofft. Unkonzentriertheiten im Abschluss sowie zwei weitere Zeitstrafen sorgten dafür, dass Melsungen beim 16:17 den Anschluss schaffte (39.).

Doch die Gäste wehrten sich mit allem, was sie hatten, gegen den drohenden Ausgleich. Mit Erfolg. Auch, weil Trainer Geir Sveinsson in der Auszeit den richtigen Riecher hatte und Dario Quenstedt einwechselte. Seine Paraden sorgten mit dafür, dass beim 26:21 (51.) alles wieder in Butter war. Doch der Schein trügte, Melsungen kam mit einem 4:0-Lauf noch einmal zurück. Beim 25:26 war auf einmal wieder alles offen (56.). Nerven und Übersicht waren jetzt gefragt. Und beides hatte Yves Grafenhorst: Er blieb cool und netzte zweimal totsicher zum 28:26-Endstand ein. "Auswärtssieg!", skandierten die drei Dutzend mitgereisten Fans. Auch für sie hatte sich die Reise gelohnt ...

Melsungen: Appelgren, Sandström - Maric 3, Sellin 2, Schröder 2, Hildebrand 1, Danner 1, P. Müller 2, Boomhouwer 5, Rnic, Allendorf 4/3, Vukovic 2, M. Müller 4
Magdeburg: Green, Quenstedt - Musche 2, van Olphen 1, Natek 7, Bagersted 1, Grafenhorst 5, Haaß 2, Bezjak 2, Gebala, Weber 8/4, Jurecki, Lie Hansen, Saul,
Schiedsrichter: Immel/Klein (Ratingen). Zuschauer: 3116. Siebenmeter: Melsungen3/3; SCM 5/4. Zeitstrafen: 3/5.