Magdeburg l Wenn derzeit jemand beim SC Magdeburg einen Durchhalte-Orden verdient hat, dann Jure Natek. Auch beim 28:26-Erfolg in Melsungen war der Slowene Alleinunterhalter im rechten Rückraum, nachdem das erhoffte Comeback von Andreas Rojewski, der seit über einem Monat an einer Knieverletzung laboriert, erneut verschoben werden musste.

Dass aber auch Natek langsam auf dem Zahnfleisch geht, war in Kassel nicht mehr zu übersehen. Der ohnehin schmächtig wirkende Linkshänder pumpte ab der 40. Minute wie ein Maikäfer. Dennoch war der 33-Jährige mit sieben Treffern bester Feldtorschütze. "Jure hat sehr viele und wichtige Tore erzielt. Eine starke Leistung, Respekt! Gerade weil für ihn zuletzt die Belastung sehr hoch war", verteilte SCM-Sportchef Steffen Stiebler ein dickes Lob an den Slowenen.

SC Magdeburg an Belastungsgrenze

Die Frage, warum Trainer Geir Sveinsson dem Dauerbrenner nicht wenigstens eine kleine Verschnaufpause gegönnt hatte - obwohl Youngster Alexander Saul einsatzbereit auf der Bank saß - beantwortet Stiebler so: "Im Nachhinein ist die Frage berechtigt. Aber aus dem Spiel heraus so eine Entscheidung zu treffen, ist viel schwieriger." Bei fünf Toren Vorsprung wollte der Trainer wohl kein Risiko eingehen, mutmaßte er. "Jure hatte einen guten Tag, war der wertvollste Spieler - und auf den verzichtet man dann nur ungern."

Da "alle Jungs inzwischen an der Grenze der Belastung angekommen" seien, wäre eine Entlastung aus dem linken Rückraum sicher hilfreich, um nicht zu sagen Pflicht. Aber hier herrscht seit Wochen Flaute.

Das besorgniserregende Ungleichgewicht unterstreichen folgende Zahlen: Die Außen des SCM kommen zusammen auf 353 Saison-treffer. Die Halbrechten Rojewski (96) - hinter dessen Einsatz auch heute ein dickes Fragezeichen steht - und Natek (91) haben zusammen 187 Tore auf dem Konto. Der vorwiegend in der Abwehr eingesetzte Fabian van Olphen (48) und Espen Lie Hansen (57) trafen auf halblinks nur 105-mal.

Espen Lie Hansen kaum im Einsatz

Vor allem Lie Hansen, bei der Unterzeichnung seines Zwei-Jahres-Vertrages im Sommer 2014 mit viel Vorschusslorbeeren bedacht, scheint bis heute nicht in Magdeburg angekommen zu sein. Wurde die fehlende Integration anfangs auf Probleme mit der Sprache zurückgeführt, warteten die Verantwortlichen auch in der Rückserie vergeblich, dass der Knoten platzt.

Lie Hansen wirkt immer noch wie ein Fremdkörper im Team. Auf dem Spielfeld ohne Selbstvertrauen und völlig verunsichert, auf der Bank ein Häufchen Unglück und außerhalb des Spielfeldes einsam und allein - dieses Trauerspiel war auch in Kassel zu erleben. Auf die Frage, warum seine Einsatzzeiten zuletzt gegen null tendierten, erklärte der 26-jährige Norweger: "Ich bin fit, das Training läuft gut, warum ich nicht spiele, da musst du die Verantwortlichen fragen."

Stiebler erklärte dazu: "Der Trainer hat viel mit Espen gesprochen, er hat viel Geduld gezeigt und es immer wieder probiert." Aber es seien zwei verschiedene Paar Schuhe, das auf die Platte zu bringen, was im Training möglich ist. "Dass wir mit Espens Leistungen nicht zufrieden sind und uns mehr versprochen haben, ist unbestritten. Deshalb machen wir uns Gedanken über mögliche Auswege", deutet der Sportchef an, dass die Geduld am Ende ist und die Zeichen auf Trennung stehen.

Gerüchte, man sei sich bereits mit dem österreichischen Erstligisten A1 Bregenz, dem Ex-Team von Sveinsson, einig, wollte Stiebler indes nicht bestätigen: "Es gab bislang keine Gespräche, und an Spekulationen beteilige ich mich nicht. Das bringt nur unnötig Unruhe rein." Ein Dementi hört sich anders an ...