Magdeburg l Michael Damgaard wird beim Bewerbungstreffen und Medizincheck in der vergangenen Woche in Magdeburg sicher nicht mit seiner Vorliebe für George Duke geprahlt haben. Der 25-Jährige ist Fan des bereits verstorbenen Jazz-Musikers, der seine Hochzeit in den 1970ern und 80ern hatte. Zumindest hat Damgaard dies so angegeben auf der Internetseite des dänischen und seines aktuellen Vereins Tvis Holstebro, wie der Rückraumlinke dort außerdem angegeben hat, Urlaub auf der ganzen Welt schön zu finden, besonders aber auf der Insel Bora Bora.

Magdeburg liegt nun nicht im Südpazifik, aber Magdeburg ist in gewisser Weise eine Insel des Handballs, auf der Damgaards Nationalmannschaftskollegen Jannick Green und Jacob Bager-sted im Sommer 2014 erfolgreich gestrandet sind. In der Magdeburger Getec-Arena wird beim Einmarsch des Teams nicht der funkige Jazz von George Duke aus Amerika gespielt, sondern mit "Hells Bells" der ultimative AC/DC-Hard-Rock aus Australien. Das ist ein Kompromiss, den Damgaard leicht gehen kann: Erstens spielt er in der neuen Saison in der gern besungenen "stärksten Liga der Welt". Zweitens gibt er dann im internationalen Wettbewerb, ob EHF-Cup oder Champions League, den Ton an. Drittens wächst mit ihm das dänische Viertel in der Landeshauptstadt auf drei (Handball)-Parteien. "Eigentlich ist unsere Mannschaft für die kommende Saison damit komplett", sagte SCM-Sportchef Steffen Stiebler. Aber der Verein werde vor allem dann kurzfristig reagieren, wenn es das Team (derzeit Tabellenvierter der Bundesliga) noch in die Königsklasse schafft.

Bevor der SCM seine dritte Neuverpflichtung nach Kreisspieler Zeljko Musa (29/Kroatien) und Finn Lemke (22/Lemgo), ebenfalls für Rückraum links, am Montag bestätigte, hatte der Internetkanal des dänischen Senders TV2 tags zuvor, 17.08 Uhr, die Nachricht vom Damgaard-Wechsel veröffentlicht. Demnach hat der 1,92-Meter-Mann seinen noch zwei Jahre gültigen Vertrag bei Tvis vorzeitig aufgelöst, um an die Elbe zu wechseln. Beim SCM hat er bis 2017 unterschrieben, über die Ablösesumme herrscht marktübliche Verschwiegenheit. Damgaard hat in 183 Partien 254 Tore für Holstebro erzielt bislang, er hat zehn Spiele (25 Tore) fürs Nationalteam absolviert. Und wie schmerzlich sie ihn bei Tvis vermissen werden, zeigte sich zuletzt beim Viertelfinal-Aus im EHF-Cup gegen Gorenje Velenje, als Damgaard wegen einer Bänderverletzung im linken Arm zwangspausieren musste.

Stiebler sagte zum Neuen: "Wir sind sehr froh über die Verpflichtung von Michael Dam-gaard. Mit Finn Lemke und ihm haben wir im linken Rückraum zwei torgefährliche, aber gänzlich unterschiedliche Spielertypen verpflichtet. Michael kommt über die Dynamik und hat sehr starke individuelle Fähigkeiten."

Wenn man diese zwei und Fabian van Olphen zusammenzählt, geht die Rechnung im linken Rückraum künftig ohne Espen Lie Hansen auf. "Wir haben mit Espen den bisherigen Saisonverlauf besprochen und sind gemeinsam zum Ergebnis gekommen, dass ein Vereinswechsel im Sommer für beide Seiten der richtige Schritt ist", erklärte Stiebler zur erwarteten vorzeitigen Auflösung des bis 2017 datierten Kontrakts. Dass der 26-Jährige den nächsten Schritt bei A1 Bregenz (Österreich) gehen wird, wollte der Sportchef auch am Montag nicht bestätigen. Aber das wird so kommen: Denn dort trifft Lie Hansen auf Robert Hedin als sportlichen Berater. Und dieser hatte ihn bereits als Nationaltrainer Norwegens (bis 2014) gefördert.

Bilder