"Team im Team", "Teufelskerl", "Hexer" - es gibt viele Synonyme für Torhüter, das meistgebrauchte ist wohl "verrückt". Und das muss man wohl sein, um sich Bälle mit 130 km/h um die Ohren hauen zu lassen. Vor dem Final Four nahm Volksstimme-Redakteurin Janette Beck die SCM-Keeper Dario Quenstedt und Jannick Green ins Kreuzverhör.

Warum sind Sie Torhüter und nicht Linksaußen geworden?
Jannick Green:
Weil ich, ehrlich gesagt, ein schlechter Werfer bin. Schon als Fünfjähriger habe ich mich unglaublich dumm dabei angestellt, also war es logisch, dass ich ins Tor ging. Ich wollte aber auch nie etwas anderes.

Dario Quenstedt: Ich hatte schon immer gute Reflexe und war groß. Als ich mit dem Handballspielen anfing, habe ich mich eine Halbzeit ins Tor gestellt und die andere draußen gespielt - die im Tor war regelmäßig besser, also stand schnell fest: Ich bin Torwart.

Vollenden Sie bitte den Satz: Torhüter sind ...
Green
(lacht): ... die schönsten Menschen der Welt.

Quenstedt: Wieso das denn?
Green: ... weil ich nicht verrückt sagen will.

Quenstedt: Ich würde sagen ... positiv verrückt.

Wie viele Bälle haben Sie in Ihrer Karriere schon ins Gesicht bekommen?
Green:
Oh Gott, die habe ich nicht gezählt. Das sind zu viele, denn auch im Training passiert das nicht selten.

Quenstedt: Unzählige. In der Saison kommen da bestimmt um die zehn bis 15 zusammen.

Müssen Sie sich zusammennehmen, um dem Werfer nicht an die Gurgel zu gehen?
Green:
Die gefährlicheren Bälle sind die, die vom Pfosten abprallen und im Gesicht landen. Aber dafür kann keiner was. Natürlich tut jeder Treffer weh, das macht sicher keinem Spaß, und nicht jeder Werfer ist hinterher noch mein Freund, böse werde ich nur, wenn ich das Gefühl habe, da war Absicht im Spiel.

Quenstedt: Solange das Ganze nicht mit Vorsatz geschieht, kann ich damit leben. Es ist Teil unseres Jobs, und bis jetzt war alles noch verschmerzbar.

Können Sie auf Anhieb sagen, wie viel Siebenmeter Sie in der Saison gehalten haben?
Green:
Leider nicht so viele. In der Hinrunde ganz wenig, in der Rückserie ein paar mehr. (Antwort: 5)

Quenstedt: Nein. (Antwort: 8)

Aber wie Ihr Torkonto aussieht, wissen Sie bestimmt?
Green:
Da steht eine Null - soviel zum Thema werfen können ... Aber ich versuche es immer wieder mal, irgendwann klappt es hoffentlich.

Quenstedt: Ich habe auch noch nie ein Tor erzielt. Das sieht immer so einfach aus, ins leere Tor zu treffen, zum Beispiel, wenn der siebte Feldspieler auf der Platte ist, aber so leicht ist das nicht. Dazu gehören Mut und Können, gerade wenn\'s eng ist.

Was bewundern Sie am anderen?
Green:
Darios Stärken sind die langen Pässe. Und er steht so unglaublich ruhig, das würde ich auch gern können.

Quenstedt: Jannick beherrscht die Slight-Technik, also das schnelle Herunterkommen in den Hürdensitz bei flachen Bällen oder Hüftwürfen, perfekt.

Fühlen Sie sich im Tor als letzte Instanz?
Green:
Handball ist ein Mannschaftssport, und ich möchte meine Stellung nicht herausheben. Viel hängt vom Zusammenspiel mit der Abwehr ab. Das Problem ist nur, dass man einen Fehler in der Abwehr nicht gleich sieht, einen im Tor sofort.

Quenstedt: Ja, Torhüter sind die letzte Instanz. Egal, ob vorne ein Tor geworfen wurde oder nicht, die Abwehr gut steht oder nicht, du hast immer noch die Chance, ein Gegentor zu vereiteln. Als Torwart steht man automatisch immer im Fokus, es ist sofort zu sehen, ob du einen guten oder schlechten Tag hast.

Wer ist der beste Torhüter im Final Four?
Green:
Niclas Landin von den Rhein-Neckar Löwen

Quenstedt: Sehe ich genauso.

Wie stehen die Chancen des SCM, den Pott zu gewinnen?
Green:
Ich denke erst mal nur ans Halbfinale gegen die Füchse. Wir haben bisher eine gute Saison gespielt, haben großes Selbstvertrauen und wissen, was wir können. Das macht viel aus.

Quenstedt: Die Chancen im Halbfinale sind 50:50. Erreichen wir das Finale, dann wollen wir natürlich auch gewinnen. Klar ist auf jeden Fall auch, dass man an beiden Tagen eine sehr gute Torhüterleistung braucht, um den Pokal zu gewinnen.