Der SC Magdeburg ist am Samstag einen entscheidenden Schritt gegen den TBV Lemgo gegangen: Im Kampf um Platz sieben der Handball-Bundesliga gewannen die Schützlinge von Trainer Frank Carstens mit 37:30 (15:12). Fabian van Olphen mit sieben und Jure Natek mit sechs Toren waren die besten Magdeburger Werfer vor 6541 Zuschauern in der Bördelandhalle.

Magdeburg. Wer Frank Carstens schon erlebt hat, wie er im Vorfeld eines Spiels zum Referat über die aktuelle Situation seines Teams antritt, durfte am Samstag bei der abendlichen Pressekonferenz respektvoll schmunzeln. Das war nicht mehr der aufrechte Mann, der mit den Händen in den Hosentaschen und der Aktentasche, seitlich um den Hals gehängt, freundlich grüßt, das war vielmehr der Mann, der gerade leicht nach vorn gebeugt und ohne Blick für den Nebenmann nach einem langen Kampf seine Emotionen abzubauen sucht. Er setzte sich schweigend, schaute nicht nach oben, sondern nur nach links auf seinen Statistikzettel. Carstens hat einmal gesagt, er vergleiche sich gerne - und zwar mit den besten Trainern, die es für ihn gibt. Über Alfred Gislason, der mit dem SCM einst und mit dem THW Kiel zuletzt die Champions League gewann, hat Carstens erklärt: In allen negativen und positiven Emotionen ist Gislason "immer klar bei sich" - sachlich, ehrlich, realistisch. "Das beeindruckt mich."

Sein Pendant Volker Mudrow, der kurzfristig auf Holger Glandorf (Hexenschuss) verzichten musste und zum Saisonende wohl seinen Posten abgeben wird, war auch beeindruckt und hat sichtlich frustriert resümiert, sein Lemgo "ist nicht an einen überragenden SC Magdeburg gescheitert", sondern vielmehr an der Einstellung in der Deckung - und zwar 45 Minuten lang. "Wir haben unsere Torhüter allein gelassen." Tatsächlich hatte Nationalkeeper Carsten Lichtlein mit 14 Paraden viele Zeichen der Stärke gesetzt, die seine Vorderleute zu selten verstanden hatten.

Im Gesamtbild sah es nicht nur Carstens, sondern auch das Fanvolk völlig anders: Als nach dem 30:23 in der 49. Minute durch Yves Grafenhorst der Lemgoer Trainer eine Auszeit nahm, boten die heimischen Zuschauer ihrem Team bereits die erste stehende Ovation - das ist nicht gewöhnlich, spricht aber für eine gefühlte Dominanz. "Das Publikum hat uns fantastisch unterstützt", freute sich Carstens. Mudrow suchte dann in der Defensive im 5-1 sein Glück, später im 4-2, aber das hatte nichts mehr von Hoffnung, sondern vielmehr von Verzweiflung.

Aufbauend auf einer starken Leistung von Torwart Gerrie Eijlers (16 Paraden), der entsprechend ein Sonderlob seines Trainers bekam, bot der SCM nicht nur "eine sehr fleißige und geschlossene Teamleistung". Er zelebrierte in manchen Momenten tollen Handball mit starken Anspielen und Kombinationen wie beim Rückhandpass von Natek auf Robert Weber, der zum 8:6 (17.) vollendete. Dennoch "fehlte uns in der ersten Halbzeit der letzte Schritt" zur Effektivität, sprach Carstens zum Beispiel drei frei vergebene Chancen an - und die zugelassenen Pässe, "die klar waren". Der SCM produzierte aber nie das Gefühl, dass es einen heimischen Verlierer geben könnte.

Nicht einmal die erste Welle war zum Sieg nötig, die Angriffseffektivität erreichte 63 Prozent (Lemgo: 51 Prozent), die Lücken in der TBV-Abwehr wurden hervorragend genutzt. Die angeschlagenen Bartosz Jurecki und Kjell Landsberg, die sich die Arbeit im Mittelblock und am Kreis teilten, trafen zusammen sechsmal aus acht Versuchen. Zu Beginn der zweiten Hälfte vollendeten die Magdeburger sieben ihrer acht Angriffe zum 22:16, das war an diesem Abend die Vorentscheidung. Und trotzdem "hat nicht alles geklappt", so Carstens.

Der Trainer hat dann nach der Konferenz beim Handschlag mit Mudrow endlich über den Sieg gelächelt. Da war auch für ihn das Spiel beendet.

SCM: Eijlers/Quenstedt - Wiegert 3, Doborac 2, Rojewski 3, Landsberg 2, van Olphen 7, Hornke 1, Natek 6, Grafenhorst 3, Tönnesen 3, Coßbau, Weber 3/2, Jurecki 4

Lemgo: Lichtlein/Galia - Iliyes 8, Smoler 5, Preiß 3, Bechtloff, Datukashvili, Theuerkauf 6/1, Kehrmann 1, Strobel 1, Hermann 1, Liniger 4/1, Schneider 1

Schiedsrichter: Immel/Klein. Zuschauer: 6541. Siebenmeter: SCM 2/2 - Lemgo 2/2. Zeitstrafen: SCM 3 - Lemgo 2

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