Magdeburg. Seit dem vergangenen Wochenende hat die Torhüter-Karriere von Gerrie Eijlers eine kleine, aber sehr feine Fußnote bekommen: Der 30-Jährige hat nämlich sein erstes Tor geworfen. Zehn Sekunden vor dem Abpfiff des Punktspiels in Balingen hatte sich der Keeper ein Herz und den Ball genommen, um diesen mit einem Wurf übers gesamte Feld zielsicher im verwaisten Tor des Gegners unterzubringen. Der Treffer zum 32:25-Erfolg des SCM war gleichzeitig der Endstand und das Sahnehäubchen auf Eijlers ohnehin tadellose Leistung.

Erster Gratulant war Bartosz Jurecki. Der Kreisspieler freute sich diebisch über das Kunststück des wie ein Honigkuchenpferdchen grinsenden Keepers - hatte dieser ihm doch kurz zuvor versprochen, ein Tor zu werfen, wie Eijles gestern ausplauderte: "Eigentlich habe ich nur aus Spaß zu Bartosz gesagt, warte ab, ich werfe heute noch ein Tor. Und als sich zehn Sekunden vor Abpfiff die Gelegenheit bot und wir mit sechs Toren vorlagen, da konnte ich es ja mal riskieren."

Dass der Versuch von Erfolg gekrönt war, kam nicht von ungefähr, sondern vielmehr auf "Ansage" von Trainers Frank Carstens. "Es ist ja bekannt, dass Balingen des Öfteren mit sieben Feldspielern agiert und das Tor dann mal leer ist. Also haben wir, als das Training zu Ende war, nur so zum Spaß probiert, mit Fernwürfen ins leere Tor zu treffen ", so der "Torjäger" , der aber beteuert, nicht auf den Geschmack gekommen zu sein. "Ehrlich gesagt, ich finde es schöner, Bälle zu halten. Und dafür bin ich ja auch da."

Und wie er da ist. Seinen Job macht der in Volendam aufgewachsene Holländer, der über Solingen, Essen und Balingen 2009 nach Magdeburg kam, so konstant gut, dass er nicht nur beim SCM zur klaren Nummer eins avancierte. Auch in der Liga zählt er mittlerweile zu den Besten.

Sein Erfolgsgeheimnis ist dabei vielleicht, dass er heiß und innig liebt, was er tut - und "mit den Feldspielern auch nicht tauschen möchte. Wenn ich manchmal die Außenspieler sehe, wie sie rauf und runter rennen und viel vom Pass des Nebenspielers abhängig sind, dann bin ich froh, im Tor zu stehen. Das ist eine ganz wichtige Position im Handball, und ohne uns Keeper geht es nicht", weiß Eijlers um die Wichtigkeit seines Schaffens.

Doch während anderen der Erfolg zu Kopf steigt, bleibt er bescheiden und unaufgeregt, so wie im normalen Leben. Auch da hat Gerrie Eijlers die Ruhe weg, ist ein Familienmensch, treusorgender "Bilderbuch-Papa" für die einjährige Sophie und passionierter Angler, wie Ehefrau Marleen verriet: "Gerries Motto ist: Nur kein Stress! Damit und mit seiner Schusseligkeit und Unordnung bringt er mich allerdings auch schon mal zur Weißglut."

Bei soviel "Normalheit" ist es auch kein Wunder, dass der WahlMagdeburger im fußballverrückten Holland weitestgehend unbekannt ist. Eijlers: "Volendam ist durch seine guten Sänger wie die aktuellen Eurovision-Teilnehmer ,The 3J\'s\' bekannt. Wer ich bin und was ich mache, wissen viele gar nicht. Auch nicht, dass Handball in Magdeburg so angesagt ist und wir vor 6000 Zuschauern spielen."

Doch vielleicht ändert sich das ja bald, wenn sich herumspricht, dass es da einen Keeper namens Gerrie Eijlers gibt, der sogar Tore wirft ...