Für Handball-Ästhetiker war die 24:24-Abwehrschlacht am Dienstagabend zwischen dem SCM und Göppingen nun wirklich nicht. Aber es ging ja nicht darum, schön zu spielen, sondern erfolgreich. Das war dem Gastgeber auch über zwei Drittel der Spielzeit gelungen, dann aber ging van Olphen & Co. mehr und mehr die Puste aus. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: FrischAuf Göppingen steht in der Tabelle zurecht zwei Plätze über Magdeburg.

Magdeburg. So richtig Freude wollte bei keinem SCM-Spieler aufkommen über den Punktgewinn. Artig, aber sichtlich geknickt bedankten sie sich beim Publikum. Das war nicht weniger konsterniert über das Remis, hatte es doch sein Team bei der zwischenzeitlichen 21:16-Führung (40. Minute) bereits auf der Siegerstraße gesehen.

Dass es am Ende anders kam, war nicht die Schuld von Gerrie Eijlers. Im Gegenteil. Der Keeper hatte eine Top-Leistung geboten, etliche "Hundertprozentige" eiskalt weggenommen sowie zwei Siebenmeter hintereinander pariert und somit seine Mannschaft bis zur 50. Minuteim Spiel gehalten (23:19). Dennoch galt auch für den Holländer: mitgehangen, mitgefangen. "Das ist ganz bitter, alle sind enttäuscht. Wir hatten uns so viel vorgenommen, haben wie die Schweine gekämpft, damit wir diesmal gewinnen. Dann sind wir auch noch mit fünf Toren weg, und es reicht doch nicht zum Sieg, das ist sehr ärgerlich", erklärte Eijlers, um dann in wenigen Worten das Kind beim Namen zu nennen: "Aber wir sind selbst schuld, sieben Tore in Hälfte zwei sind einfach zu wenig."

Der Grund für die Torflaute in der entscheidenden Schlussphase war, dass die Magdeburger, die nahezu über die komplette Spielzeit gegen ein offensives 3:3-Abwehrsystem ankämpfen mussten, nichts mehr zuzusetzen hatten. Zudem hätten die Gäste, so Eijlers, den zunächst stark aufspielenden Spielmacher Tönnesen (5 Tore) in der zweiten Hälfte immer besser in den Griff bekommen. Zu guter Letzt wusste sich Gäste-Keeper Tahirovic in der entscheidenden Phase zu steigern.

Dass seine Jungs aus der Not (mit Kaufmann, Anusic und Horak mussten drei Stammkräfte ersetzt werden) eine Tugend gemacht hatten, rang selbst Gäste-Coach Velimir Petkovic höchsten Respekt ab: "Ich muss meine Mannschaft für die Leistung loben. Vor allem, was wir trotz personeller Probleme und Kräfteverlustes in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, macht mich stolz. Immer dann, wenn bei uns Leistungsträger ausfallen, und in der Schlussphase waren es fünf, dann zeigt die Mannschaft Charakter."

Ein wenig differenzierter beurteilte Frank Carstens die Partie: "Kämpferisch kann ich meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, aber wenn man 20 Minuten vor Schluss mit fünf Toren führt, muss man das Spiel gewinnen, keine Frage. Aber wir haben in der Schlussphase zu viele klare Chancen weggelassen. Allerdings darf man auch nicht vergessen, gegen wen wir gespielt haben. Göppingen steht ja nicht um- sonst da oben."

Bilder