Es war einst im Mai 2006, als der SCM letztmals den THW Kiel bezwingen konnte (37:35). Am Mittwochabend wurde der Siegesbann nach einer gefühlten Ewigkeit erneut gebrochen. Der auch in der Höhe völlig verdiente 30:24 (15:12)-Heimerfolg war nicht nur in den Augen der restlos begeisterten Zuschauer das Sahnehäubchen der Saison. Auch die Spieler feierten das besondere Ereignis in der Bördeland-Festhalle mit einer noch nie dagewesenen Polonaise und klatschten mit den Spalier stehenden Fans ab.

Magdeburg. Dass ihnen an diesem Abend "etwas Historisches" gegen die jahrelang unbesiegbar erscheinenden Kieler geglückt war, dieses Gefühl hatte auch Kjell Landsberg, der gemeinsam mit Kapitän Fabian van Olphen bilderbuchmäßig Beton in der Deckung angerührt hatte: "Das heute war einfach der pure Wahnsinn. Einen Sieg gegen die Riesenmannschaft Kiel feierst du in deiner Karriere vielleicht einmal - wenn du Glück hast. Damit man den aktuellen Champions-League-Sieger und Meister besiegt, muss alles, aber auch alles stimmen. Und das war heute eben der Fall", so der 30-Jährige, der im Sommer vorigen Jahres in der Hoffnung zum SCM gewechselt war, "einmal zu erleben, dass mich ein Sieg gegen Kiel so fassungslos macht".

Und so strahlte Landsberg die Glückseligkeit förmlich aus den Augen, während er aus dem Kabinen-Kästchen plauderte: "Die Stimmung war grandios, alle waren völlig aus dem Häuschen und überwältigt von der Party in der Halle. Stian (Tönnesen) hat zu mir gesagt, er habe sogar acht Jahre auf diesen einen Moment warten müssen, eigentlich nur dafür habe er seinen Vertrag noch einmal verlängert, das sagt doch wohl alles ..."

Allerdings machte Abwehrrecke Landsberg auch kein Geheimnis daraus, dass die Kieler von ihrer gewohnten Klasse meilenweit entfernt waren - angefangen vom völlig indisponierten Keeper Omeyer, der erst spät ausgewechselt wurde, bis hin zu den Star-Shootern wie Zeitz, Jicha, Andersson oder Palmarsson, deren Bälle das Tor oft weit verfehlten oder vom alles überragenden SCM-Keeper Dario Quenstedt (20-mal) weggefischt wurden: "Sicher muss man aber auch sagen, dass wir die Gunst der Stunde genutzt haben, denn Kiel ist nur dann schlagbar, wenn Omeyer einen schlechten Tag hat und man das Torhüter-Duell klar gewinnt." Und das, so Landsberg, sei der Fall gewesen. "Dario war von der ersten Minute an präsent, seine Körpersprache eindeutig. Wie er das trotz seiner Jugend gemacht hat, davor ziehe ich den Hut. Sicher sagen jetzt wieder viele: ,Und solch einen Mann lässt man beim SCM gehen ...\' Und tatsächlich ist das schade - aber als die Entscheidung getroffen wurde, war ja nicht abzusehen, dass Dario eine solch tolle Entwicklung nimmt." Auch Trainer Frank Carstens kam nicht umhin, seinen Keeper aus der ansonsten "vorbildlichen Teamleistung" hervorzuheben: "Wir sind überglücklich, unser Torhüter war überragend, auch die Bauchschüsse muss man erst einmal aushalten. Aber auch das Publikum war super. Heute stimmte einfach alles."

Dagegen haderte THW-Manager Uli Derad mit dem Auftritt seiner Kieler: "Dass wir gegen Barca viel Kraft gelassen haben, war mir klar, aber dass man sich nicht gegen die Niederlage gewehrt hat, das war doch sehr enttäuschend."

Auch der Ex-Magdeburger Christian Sprenger war geknickt, zumal er am Mittwoch selbst "neben der Spur" war: "Meine Rückkehr hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Wir haben zu viele Bälle verworfen, dieses Spiel wurde ganz klar im Angriff verloren."