Magdeburg. Die gar drastische Wortwahl des Frank Carstens vom 7. November 2010 liegt heute noch in den Ohren. Er sagte damals Sätze wie: "Göppingen hat uns in alle Einzelteile zerlegt" oder "Diese Niederlage hat uns erschüttert" oder "Wir haben uns zu wenig dagegen gewehrt, dass man uns filetiert." Mit 17:29 war der SC Magdeburg im Punktspiel der Handball-Bundesliga an jenem Abend bei Frisch Auf untergegangen. Es war der wohl schwärzeste Tag in der gesamten Saison.

Den vielleicht schönsten könnten die Magdeburger heute feiern, erneut in Göppingen, diesmal im Pokal (Anwurf: 20.15 Uhr/ live Sport 1). Es geht um den Einzug ins Final Four im Mai in Hamburg.

Göppingen, mal abgesehen davon, das es zweimal dieses finale Turnier erreichte, hat eigentlich keine Pokalhistorie. Noch nie stand eine Frisch-Auf-Mannschaft im Endspiel, während den Magdeburgern dieses Kunststück zweimal gelang – mit einem Erfolg gegen TuSEM Essen 1996.

Carstens hat nun gestern nicht verraten, ob er seine Schützlinge noch einmal der Tortur einer Videoanalyse von jenem 7. November unterzogen hat. Die Leinwand hing zur Mittagszeit noch im Konferenzraum der Bördelandhalle, Spiele wurden jedenfalls am Vormittag vor dem Training gezeigt, einige Spiele sogar. "Die Mannschaft hat einen Plan, den gilt es umzusetzen", erklärte der Coach. Neben ihm saß dabei erstmals Dirk Pauling, Carstens Co-Trainer ab der kommenden Saison. Der 43-Jährige wurde gestern vom SCM offiziell vorgestellt.

Der Plan ist ziemlich lang, lauscht man der Analyse Carstens‘ zum Kontrahenten und im Resümee des Hinspiels. Göppingen stellt mit 603 Gegentoren die viertbeste Abwehr der Liga, hat sich "in der Kompaktheit weiterentwickelt", erklärt der 39-Jährige. Göppingen ist mit Christian Schöne auf Rechtsaußen gefährlich im Tempospiel, Göppingen hat mit Dalibor Anusic einen Abwehrmann, der das gegnerische Angriffsspiel "sehr gut lesen kann". Und nicht zuletzt verfügt Göppingen über einen starken Rückraum, vor allem auf der halblinken Position. Und "das Level, das wir überbieten müssen, ist nicht so besonders hoch", blickt Carstens auf jenen 7. November zurück.

Damals hat, mal abgesehen von den ersten Minuten, als eigentlich nur die Torquote nicht stimmte, nicht viel funktioniert beim SCM, der Angriff aus dem Stand nicht, selbst die sonst so starke Abwehr nicht. "Wir hatten unser Spiel aufgegeben." Heute wird es darum gehen, die Defensive des Kontrahenten in Bewegung zu halten, die Angriffe mit "einer hohen Passqualität" gut vorzubereiten, um auch für ein schnelles Rückzugsverhalten vorbereitet zu sein.

Damir Doborac ist wieder fit, aber "ihm fehlt nach zwei Monaten Pause die Spielerfahrung". Zsolt Balogh laboriert noch an einen Cut über dem linken Auge und an Fersenproblemen. Ansonsten kann Carstens auf alle Akteure zurückgreifen. Und die "sollten eine bessere Leistung hinkriegen" als an jenem 7. November. Carstens ist nämlich auch ein Freund der freundlichen Wortwahl.