Magdeburg. Ein paar graue Haare mehr, "aber auch viele wichtige Erkenntnisse" verdankt Trainer Frank Carstens dem (Vabanque)-Spiel der SCM-Handballer am Sonntagabend in Ludwigshafen. "Puuhh, dass es noch einmal so spannend wird ...", stammelte der Trainer nach dem 35:33-Erfolg mit hochrotem Kopf. Am Ende gewann der 39-Jährige dem "Happyend mit Hindernissen" vor allem positive Seiten ab: "So ein Spiel wie dieses bringt uns viel weiter voran als ein Sieg mit sechs, sieben Toren. Die Spieler haben viel mitgenommen und ich auch. Die wichtige Erkenntnis ist, dass wir eben auch eine enge Partie mit zwei verschiedenen Halbzeiten gewinnen können."

In der Tat zeigte der SCM wieder einmal seine zwei Gesichter. Denn so souverän man weite Strecken der ersten Halbzeit gegen die abstiegsbedrohte TSG Friesenheim auch agiert hat, so leichtfertig wurden die Punkte in der zweiten Hälfte aufs Spiel gesetzt. So war, ehe man sich‘s versah, der Sieben-Tore-Vorsprung auf ein Törchen zusammengeschmolzen. "Nachdem wir die erste Halbzeit dominiert hatten, unser Tempogegenstoß-Spiel wie geplant zum Zuge kam, haben wir uns in der Kabine darauf verständigt, dranzubleiben und den Vorsprung halten zu wollen. Das ist dann aber voll in die Hose gegangen. Wir sind aus dem Fahrwasser geraten, haben unsere Chancen im Angriff reihenweise liegengelassen und Friesenheim hat sich in einen Rausch gespielt", analysierte Carstens die Schlüsselstellen.

Doch zum Glück war da ja noch der "Joker" – Damir Doborac. Just in dem Moment nämlich, als das Spiel beim 30:31-Anschlusstreffer durch Friesenheim (54. Minute) zu kippen drohte, lief der in der 40. Minute eingewechselte "Teilzeit-Spielmacher" zur Bestform auf. Zunächst traf er selbst, dann bediente der Bosnier mit viel Übersicht Jurecki am Kreis und ließ schließlich noch zwei seiner insgesamt sechs Tore folgen.

Die von Doborac bescheiden kommentierte "vielleicht beste Vorstellung im Trikot des SCM" wusste auch Carstens zu würdigen: "Wir müssen uns vor allem bei Damir bedanken, der seine Einsatzchance genutzt und eine hervorragende Partie geboten hat."

Aber nicht alle Einwechslungen waren an diesem Tag von Erfolg gekrönt. So scheiterte der in der 38. Minute für Goalgetter Weber kommende Youngster Hornke dreimal knochenfrei an TSG-Torhüter Bozic. Ebenso agierte auch Rojewski, der den in der ersten Halbzeit überzeugenden "Dauerbrenner" Natek entlasten sollte, nicht immer glücklich. "Wenn wir weiterkommen und uns echte Alternativen erarbeiten wollen, dann müssen wir investieren und einem Hornke oder Doborac längere Einsatzzeiten geben. Und wann, wenn nicht dann, wenn wir sechs Tore Vorsprung haben?", rechtfertigte Carstens sein Vorgehen.

Auch Marc Schmedt fand, dass der Trainer "mutig" gewechselt habe. "Ich freue mich für Damir, der seine Chance genutzt und mehr als man von ihm erwarten durfte, zurückgegeben hat", so der SCM-Manager, der vor Ort war und noch einige weitere Erkenntnisse aus Ludwigshafen mitgenommen hat: "Wir haben, obwohl es noch einmal eng geworden war, den Kopf oben behalten – das war ja in der Vergangenheit nicht immer so."

Zudem zog Junioren-Nationalspieler Christian Dissinger (19), mit neun Toren aus dem linken Rückraum erfolgreichster Friesenheimer, Schmedts Interesse auf sich: "Das ist ein sehr interessanter Mann: Jung, dynamisch, groß, deutsch. Aber bis jetzt gibt es noch keinen Kontakt." Noch? Nachtigall, ick hör dir trapsen ...