Der Wechsel zum SCM erfolgt zwar erst im Sommer, doch Björgvin Gustavsson hat in seiner zukünftigen sportlichen Heimat schon einmal Witterung aufgenommen. Der isländische Torhüter, der bis zum Saisonende noch den Kasten bei Kadetten Schaffhausen hütet, hatte bei seinem 36-stündigen Aufenthalt in Magdeburg ein straffes Programm abzuarbeiten – doch für den umtriebigen "Selfmademan" kein Problem. Allerdings, ein Vorstellungsbesuch bei der Mannschaft, die sich derzeit auf das Heimspiel am Samstag gegen Lemgo vorbereitet, lehnte er ab. "Das wäre stillos, denn noch bin ich ein Kadette."

Magdeburg. Magdeburg, 16.00 Uhr, die Frisur von Björgvin Gustavsson sitzt ... Den durchaus zutreffenden "Werbe-Gag" hat der isländische Torhüter, der zwischen Wohnungsbesichtigungen, Treffen mit Immobilienmaklern sowie Gesprächen mit Trainer Frank Carstens und Manager Marc Schmedt mal locker noch Interview-Wünsche erfüllt, sicher schon oft gehört.

Aber der 25-Jährige, ohnehin kein Kind von Traurigkeit, wie es heißt, hat kein Problem damit, mit seiner "Nebentätigkeit" aufgezogen zu werden. Schließlich ist der selbsternannte "Verrückte" mit den glatten, blonden Haaren nicht nur der ideale Werbeträger des von ihm und seinem Nationalmannschafts-Kollegen Logi Geirsson kreierten Haar-Gels, er verdient auch noch "gutes Geld" mit der vor zwei Jahren gegründeten Firma "Silver" – die ihren Namen in Anlehnung an ihre olympische Silber-Medaille von 2008 in Peking trägt.

"Das Geschäft läuft prima, in Island haben wir schon über 20 000 Dosen verkauft. Und weil das Ganze so gut ankommt, haben wir uns entschlossen, die Produktpalette zu erweitern. In zwei Wochen bringen wir ein Silver-Duschgel auf den Markt", verrät Gustavsson. Wohl nicht ganz uneigennützig, wie sein Nachsatz vermuten lässt: "In Zukunft wollen wir von Magdeburg aus auch den deutschen Markt erobern ..."

Im Sturm erobern will der 1,93 Meter große Torhüter auch die Herzen der handballverrückten Magdeburger. Von denen haben ihm bereits sein bester Freund Arnor Atlasson und Olafur Stefansson vorgeschwärmt. "Ich habe nur Gutes über Magdeburg und den SCM gehört, beide haben mir zugeraten zu wechseln", erzählt Gustavsson, der einen glasklaren Karriereplan verfolgt und dabei "Schritt für Schritt" vorgeht: "Ich möchte der beste Torhüter der Welt werden – also muss ich irgendwann auch in der besten Liga der Welt spielen."

Nachdem er zuerst in Island, dann in der zweiten Liga in Bietigheim und schließlich in der ersten Liga in der Schweiz gespielt hat, "war nun die Zeit reif", den nächsten Schritt zu wagen. "Magdeburg hat international noch immer einen guten Ruf. Das Management macht einen guten Job, die Strukturen stimmen, es gibt einen jungen Trainer und auch die Mannschaft ist jung und hat das Potenzial und den Willen, oben anzugreifen", glaubt Gustavsson, dass sowohl er als auch der SCM die richtige Wahl getroffen haben. "Ich hoffe, beide Seiten profitieren von dem Wechsel. Wenn man als Verein oben mithalten will, dann muss nahezu jede Position doppelt stark besetzt sein, und das trifft in der neuen Saison dann auch im Tor zu."

Für den Konkurrenzkampf mit Gerrie Eijlers, der seit 2009 beim SCM die unumstrittene Nummer eins ist und bereits angekündigt hatte, "ich werde meinen Platz nicht freiwillig räumen", sieht sich der Neuzugang gut gerüstet: "Natürlich möchte auch ich am liebsten 60 Minuten spielen, aber am Ende zählt allein die Leistung. Wer besser drauf ist, der spielt. Fest steht, Eijlers ist ein guter Goalie, und ich glaube, wir passen ganz gut zusammen, weil wir unterschiedliche Typen sind. Und ich freue mich, mit ihm zusammen eine kleine Familie in der großen Familie zu sein", so Gustavsson.

Apropos Familie. Dieses Projekt umtreibt den Nationalkeeper auch privat. Und dabei geht er genauso konsequent und zielstrebig voran wie auf dem Handballparkett: "Am 2. Juli folgt der erste Schritt, ich werde auf Island meine Verlobte Karen heiraten."