Magdeburg. "Bängeräng!" Der verlorene Junge kehrt zurück. Die Rede ist nicht von Peter Pan und dem Schlachtruf der verlorenen Jungs, sondern von Christoph Theuerkauf. Der hatte sich vor zwei Jahren diesen Pan-Ausruf auf seinen rechten Unterarm tätowieren lassen.

Wenn der Kreisspieler, der nach elf Jahren in Magdeburg im vergangenen Sommer das SCM-Trikot gegen das vom TBV Lemgo eingetauscht hatte, morgen heimkehrt, um gegen seinen alten Verein zu spielen, dann wünscht er sich insgeheim sicher den magischen "Feenstaub" aus der Peter-Pan-Geschichte an den Händen, damit der Ball auch wirklich im Tor der "Grün-Roten" landet ...

Denn so sehr sich der gebürtige Magdeburger auch vornimmt, das "Bauchgrummeln" bei der erstmaligen Rückkehr in die Bördelandhalle zu ignorieren, "ganz ausblenden kann ich das nicht", gibt der 26-Jährige zu. Dazu sei er ein viel zu emotionaler Typ und hänge zu sehr an der alten Heimat Magdeburg, die, "wo immer es mich auch hinverschlägt, immer meine Heimat bleiben wird, weil meine Familie, meine Freundin und der Großteil meiner Kumpels hier leben".

Und so schlagen wohl oder übel morgen zwei Herzen in der Brust des Neu-Lemgoers: "Ich bin ein Magdeburger, der zum Handballspielen weggegangen ist – Punkt. Mir ist klar, dass es immer etwas Besonders sein wird, gegen den SCM zu spielen. Und beim ersten Mal tut es halt noch besonders weh. Ich bin gespannt, aber ich freue mich auch aufs Spiel, obwohl ich mir noch nicht vorstellen kann, wie es ist, in der Bördelandhalle, die elf Jahre mein Zuhause war, als Gegner aufzulaufen."

Zwar gelte zumindest unter Fußballern das ungeschriebene Gesetz, gegen den alten Verein nicht zu jubeln, "aber ich und auch meine Mannschaft leben von diesen Emotionen. Jeder, der mich kennt, weiß, würde ich es anders machen, wäre ich nicht ich selbst. Und schließlich komme ich nicht nach Magdeburg, um mir Freunde zu machen", so Theuerkauf, der sich einzureden versucht, dass es eigentlich ja nur ein Handballspiel sei und es darum gehe, seinen Job zu machen.

Das allerdings gelingt "Theuer", der in der Fremde langsam Fuß gefasst hat, auch sportlich immer besser. Trotz zwischenzeitlicher Schulterverletzung kommt er auf 53 Tore in 19 Spielen und avancierte bei den Lemgoern zur ersten Wahl, wenn es um Strafwürfe geht. Und so hofft der Kreisspieler, der dem SCM die "klare Favoritenrolle" zuschiebt, "dass es eine schöne, enge Partie auf Augenhöhe wird und ich zeigen kann, was ich draufhabe und dass es die richtige Entscheidung war, zu wechseln".

Davon ist die Nummer 13 trotz Heimwehs und einiger Rückschläge verletzungsbedingter Art inzwischen auch persönlich überzeugt: "Ich bereue nichts, denn es ist genauso, wie ich es wollte. In Lemgo werde ich gefördert und gefordert. Hier hat mein Wort Gewicht, und ich bin nicht der ewige Nachwuchsspieler, der gelegentlich mal den Mund aufmachen darf."