"Das ist für uns ein Endspiel um Platz sieben. Wir sind Favorit, und wir müssen gewinnen." Selten hat Frank Carstens einen Sieg so klar zur Pflicht erklärt wie vor der heutigen Heimpartie des SC Mageburg, der in der Bördelandhalle die HSG Wetzlar empfängt (Anpfiff: 19 Uhr). Die unmissverständliche Ansage macht deutlich: Nichts und niemand soll an dem "mutigen und ambitionierten Saisonziel" Platz sieben rütteln – auch nicht der Ausfall von Stammkeeper Gerrie Eijlers.

Magdeburg/Wetzlar. Carstens brauchte in der Vorbereitung auf das heutige Heimspiel anscheinend nicht viele Worte, um seiner Mannschaft vor Augen zu führen, dass die Stunde der Wahrheit schlägt. "Die Mannschaft stellt sich dem Druck, gewinnen zu müssen. Alle haben die Zeichen der Zeit erkannt und wissen: Die Ergebnisse der Saison werden jetzt gemacht", gibt der 39-Jährige seine Eindrücke wieder, die er in den vergangenen Tagen im Training gesammelt hat.

Wie sehr alle inzwischen das nach oben korrigierte Saisonziel verinnerlicht haben und sich dementsprechend reinhängen, verdeutlicht eine kleine Episode, die der Coach bei der Pressekonferenz am Donnerstag augenzwinkernd zum Besten gab. Unter der Woche habe er ein Trainingsspielchen angesetzt, bei dem schließlich die Fetzen flogen, sodass er als Schied.srichter etwas überfordert gewesen sei. "Da habe ich kurz überlegt, ob ich dafür in Zukunft nicht doch lieber Profis engagieren sollte. Aber diese Intensität ist für mich vor allem ein Indikator dafür, wie willig, konzentriert und hundertprozentig heiß die Jungs auf das Spiel gegen Wetzlar sind."

Aufgrund dieser positiven Signale hat Carstens auch nicht die geringsten Zweifel, dass man gemeinsam das Handicap, auf den am Knie operierten Eijlers vorerst verzichten zu müssen, meistert: "Den Ausfall der klaren Nummer eins im Tor kann kein Team der Liga einfach mal so verkraften. Aber ich traue Dario (Quenstedt) zu, dass er Gerrie adäquat ersetzen kann, und er hat ja in der Saison auch schon bewiesen, dass er aus dem Schatten heraus seine Leistung bringen kann." Dafür habe er das Vertrauen des Trainers, aber auch das der Mannschaft. "Und die wird sich anstrengen, noch einen Tick besser zu verteidigen, um so den Torhüter zu unterstützen", glaubt Carstens, der ansonsten auf den kompletten Kader zurückgreifen kann, nachdem alle angeschlagenen Spieler die 14-tägige Länderspielpause optimal zur Regeneration nutzen konnten.

Seinen Spielern hat der Trainer für das heutige Spiel mit auf den Weg gegeben, vor allem die Kreise von Philipp Müller möglichst einzuschränken, der sowohl als Torjäger aber auch als Anspieler der Dreh- und Angelpunkt im Wetzlarer Spiel ist.

Den Gästen käme angesichts des ehrgeizigen Projektes, bis zum Saisonende 28 Punkte zu holen, ein Coup beim SCM natürlich gelegen. "Bei uns lief es bislang auswärts nicht so gut, in Göppingen und Lemgo mussten wir zuletzt deutliche Niederlagen einstecken. In Kiel haben wir zwar lange Zeit ganz ordentlich mitgespielt, aber natürlich auch nichts erreicht. Beim SCM wollen wir unbedingt länger mithalten und Punkte mitnehmen", wird Trainer Gennadij Chalepo in der heimischen Presse zitiert.

Allerdings muss der Nachfolger von Michael Roth, der die HSG nach einer mageren Hinrunde in ruhigeres Fahrwasser führen konnte, heute wohl auf Adnan Harmandic verzichten, der sich einen Faserriss im Bauchmuskel zugezogen hat. Auch der Einsatz von Shooter Alois Mraz (Achillessehnenprobleme) ist fraglich. "Um so mehr müssen wir uns auf uns konzentrieren und unsere Fehlerquote gering halten", so Chalepo.