Magdeburg/Wetzlar. Gelegenheit macht (Punkte-)Diebe. Diese leicht abgewandelte Weisheit haben sich sowohl der SC Magdeburg als auch die HSG Wetzlar, die am Sonnabend in der Bördelandhalle aufeinandertreffen (19 Uhr) in dieser Handball-Saison zu eigen gemacht: Konsequent wurden die sich bietenden Chancen am Schopfe gepackt und selbst dort Punkte eingeheimst, wo man sie nicht unbedingt erwarten konnte.

Der positive Nebeneffekt dabei war, dass beide Teams im Verlauf der Rückrunde ihr Saisonziel nach oben korrigieren konnten. Der SCM (35:21 Punkte), mit der Marschroute einstelliger Tabellenplatz gestartet, strebt nunmehr Rang sieben an, die Gäste (22:34), die sich den Klassenerhalt auf die Fahnen geschrieben hatten, haben nach vorzeitigem Erreichen der Vorgabe 28 Pluspunkte als neues Ziel ausgegeben.

Und weil das mit den Gelegenheiten bislang so gut funktioniert hat, lauern beide Vereine auf die nächste, um erneut zuzuschlagen. Die größere Oster-Überraschung wäre dabei allerdings ein Punktgewinn der Wetzlarer, die trotz ihres Hinspielerfolges als Außenseiter ins Rennen gehen. Schließlich haben die Magdeburger bislang nur dreimal daheim Federn lassen müssen und konnten ihr altes Laster, auch gern mal bei den "Kleinen" zu stolpern, im Verlauf der Saison zu den Akten legen.

Im heißen Saison-Endspurt könnte zudem der vermeintliche Makel, als SCM derzeit keine Nationalspieler abstellen zu können oder müssen, vielleicht sogar zum entscheidenden Vorteil werden. Fakt ist, dass man die zurückliegende Länderspielpause besser nutzen konnte als viele andere Konkurrenten in der Liga, meint auch Frank Carstens. "Für uns hat sich die Pause definitiv gelohnt. Vor allem für angeschlagene Spieler wie Bartosz Jurecki sind ein paar Tage Ruhe am Stück von unschätzbarem Wert", so der SCM-Coach, der am Montag den scharfen Start der Vorbereitung auf das Wetzlar-Spiel mit insgesamt acht Trainingseinheiten eingeläutet hatte. Sein Zwischenfazit: "Wenn ich sehe, wie alle losgelegt haben, bin ich zuversichtlich, dass wir schaffen, was wir uns vorgenommen haben."

Seit Wochenbeginn ist auch Dario Quenstedt wieder mit von der Partie. Dem Torhüter, der in der vergangenen Woche seine Rückenprobleme behandeln ließ (Volksstimme berichtete), wird zusammen mit Patrick Schulz die schwere Bürde auferlegt, am Samstag den Ausfall von Stammkeeper Gerrie Eijlers (Knie-OP) zu kompensieren. "Natürlich haut das Fehlen von Gerrie rein, aber das ist gleichzeitig auch eine Chance für unsere beiden Youngster. Ihre Aufgabe ist es, mitzuhelfen, dass wir unseren Vorsprung auf Rang acht verteidigen. In Hamm klappte das bei Dario anfangs gar nicht, aber wie er sich in der zweiten Hälfte dann reingehängt hat, ist für einen so jungen Mann doch schon eine bemerkenswerte Leistung", so Carstens, der hofft, dass Quenstedt daran anknüpft.

Voraussichtlich mit voller Kapelle kann Wetzlar auf die Reise in die Börde gehen. Beim Tabellenelften ist sogar mit dem Comeback des langzeitverletzten Steffen Fäth zu rechnen. Das 21-jährige Rückraumtalent, das ein halbes Jahr an Schulterproblemen laborierte, hatte unter der Woche einen Test der HSG unter Wettkampfbedingungen erfolgreich bestanden und drei Tore zum 44:14-Erfolg beim Bezirksoberligisten TV Jahn Neuhof beigesteuert.